Palau

2015 – eine Insel voller Wunder

Inselrepublik in Mikronesien im Westen des Pazifiks

Absolute Stille. Nur das Geräusch der in die nachtdunkle See eintauchenden Paddel ist zu hören. Und plötzlich leuchtet das Wasser. Bei ruhiger See und schwachem Mondlicht erleben wir dieses Naturwunder. Bei Berührung im Wasser leuchtet das Plankton und etwas tiefer im Wasser sieht man andere ebenfalls leuchtende kleinste Lebewesen. Bei jedem Paddelschlag kommt das Leuchten wieder. Wir sind in Palau auf Ngellil Nature Island, in einem kleinen Resort, welches nur mit dem Boot zu erreichen ist. Saburo Ishige, der japanische Besitzer der Insel, hatte uns von diesem Naturphänomen erzählt, und dann, an einem Abend nach Einbruch der Dunkelheit, haben wir Glück. Die Bedingungen stimmen, und er holt uns zum Strand. Wir besteigen ein Kanu und paddeln hinter ihm in die Nacht hinein. Irgendwo zwischen den eng beieinander liegenden „Rock Islands“, grüne bewaldete Erhebungen aus Kalkstein, halten wir an und können nicht oft genug die Paddel vorsichtig ins Wasser gleiten lassen, um das Meer zum Leuchten zu bringen

Saburo bindet unser Kanu an seins, paddelt langsam zurück, und wir können einfach nur im Kajak sitzen und das Schauspiel genießen.

Leuchtendes Plankton

Von Taiwan aus sind wir nach einem Familienbesuch weiter nach Palau in Mikronesien geflogen. Eine kleine Republik, die nach Besatzungen durch Spanien, Deutschland und Japan, dann als Treuhandgebiet den USA zugeschlagen, endlich 1994 unabhängig wurde. Zuvor hatte es den von den USA gewünschten Beitritt zu den Föderierten Staaten von Mikronesien verweigert. Für eine Woche hatten wir dieses kleine, fernab liegende und nur mit Boot zu erreichende Ngellil Nature Island Resort gebucht.

Bevor wir in die Abgeschiedenheit der Rock Islands eintauchen, haben wir ein paar Tage, um Palau kennenzulernen und einen Eindruck von den Menschen, den Lebensbedingungen und den Sehenswürdigkeiten zu gewinnen. Mit einem Mietwagen kommen wir zuerst zu den Versammlungshäusern (Abeis), Langhäusern für die Männer, aus deren bunter Bemalung sichtbar wird, dass die Bewohner früher im Matriarchat lebten, von dem sich noch bis heute Teile erhalten haben. Etwas weiter entfernt von unserem Domizil besichtigen wir die beeindruckende Anlage von Ngerchelong, in welcher große schwarze Monolithen mit zum Teil verwitterten Gesichtern über das Gelände verteilt sind. Woher sie kommen ist bis heute unbekannt. Der Sage folgend wurden diese von den Göttern tief im Meer in totaler Finsternis aus den Felsen geschnitten und auf die Insel gebracht, um einen Versammlungsplatz zu bauen. Bei der Arbeit wurden sie durch den Schöpfer des Sonnenlichtes überrascht und gaben den Bau auf, da sie nur im Dunkeln arbeiten können.

In der Abendsonne draußen in einem Restaurant zu sitzen mit Blick auf die grünen Rocks im tiefblauen Wasser, wäre allein schon ein Grund hierher zu fahren und die weißen Strände und die einmalige Unterwasserwelt zu bewundern.

Doch was wir am nächsten Tag erleben, ist ein weiteres zauberhaftes Naturwunder : Die Quallenseen, die in den Rock Islands liegen.

Es sind Seen, die zum Wasseraustausch in Verbindung mit dem Meer stehen. Die Risse im Gestein sind so fein, dass keine anderen Tiere vom Meer hindurch in die Seen gelangen können. Deswegen gibt es hier nur endemische Lebewesen.

Einer dieser Seen ist für Besucher zugänglich, der Jellyfish Lake.

Wir wandern dorthin, um in diesem See zu schnorcheln. Etwas ungläubig, ob wir der Zusage trauen können, dass diese Jellyfische nicht doch bei Berührung brennen, tauchen wir in eine Wunderwelt inmitten von Tausenden von orangefarbenen Quallen, durch die wir vorsichtig hindurchschwimmen, um sie nicht zu verletzen. Von allen Seiten sind wir umgeben und in Kontakt mit den Quallen, die dazu im Gegenlicht der Sonne noch besonders leuchten.

Ein unbeschreibbares Gefühl, sanft unbeschadet mit diesen sonst so unangenehm assoziierten Tieren zu schwimmen. Das Geheimnis ist, dass diese Quallen seit ewigen Zeiten hier leben ohne natürliche Feinde, ausgenommen später eingeschleppte Seeanemonen. Ihre Tentakeln haben sich zurückgebildet und ihr Gift reicht nur für ihre Hauptnahrungsquelle, kleine Ruderflußkrebse. Und weiter geht es danach zum nächsten Naturwunder, von den Einheimischen „The Milky Way “ genannt, eine Bucht, die nicht am Grund aus Sand oder Fels besteht, sondern aus Kalksteinschlamm. Man taucht hinunter und reibt sich den ganzen Körper mit dem kreidehaltigem Schlamm ein, legt sich zum Trocknen in die Sonne und wartet auf die versprochene Verjüngung der Haut, die allerdings lange auf sich warten läßt

Am nächstem Morgen sitzen wir dann in einem Boot und fahren in etwas mehr als einer halben Stunde bei Flut nach Ngellil. Bei Ebbe hätte es fast zwei Stunden gedauert.

Ngellil Nature Island in den Rock Islands – Unesco Kulturerbe der Menschheit

Wir laufen in eine kleine Bucht ein und waten durch das flache Wasser an Land in ein wildes Paradies. Der Besitzer der Insel und sein Koch begrüßen uns höflich und wir beziehen unser Zimmer mit Blick aufs Meer und zur anderen Seite auf die tropische Vegetation des Regenwaldes. Alles ist aus natürlichen lokalen Materialien, dies ist das Prinzip der Anlage. Erst da erfahren wir, dass wir die einzigen Gäste für die ganze Zeit unseres Aufenthaltes sind. Nur einmal kommt ein Boot mit einem Brautpaar für romantische Hochzeitsfotos kurz hierhin.

Wir schwimmen in der kleinen Bucht, bewundern blaue Seesterne, dösen unter Palmen in Hängematten. erkunden die nähere Umgebung. Gegen Abend hören wir Flötenklänge, ein Ritual, das sich jeden Abend wiederholt. Saburo Ishige spielt Flöte und danach ist es Zeit für das Abendessen. Ein Feuer lodert und das Essen wird uns auf Bananenblättern serviert. Alles ist frisch aus dem Meer, die Beilagen auf der Insel angepflanzt oder im Regenwald geerntet. Daneben viele kleine Leckerbissen und Gemüse, deren einheimische Namen wir uns aber nicht merken können. Am nächsten Tag wandern wir mit Saburo Ishige in den Dschungel zu einem besonderen Baum, den Power Baum, aus dem er persönlich seine Kraft bezieht, indem er ihn für einen kurzen meditativen Moment fest umarmt. Danach zeigt und erntet er Pflanzen und Obst, die für uns in den nächsten Tagen zubereitet werden. Immer auf einem offenen Feuer in dunkler tropischen Nacht unter einem traumhaften Sternenhimmel. Dazu das Knistern der Flammen und die nächtlichen Geräusche des Dschungels. Über uns umkreisen die Satelliten und die Raumstation die Erde. So verbringen wir die Abende zu Viert.

Und noch einmal geht es am nächsten Tag in den Dschungel zu einer weiteren Sehenswürdigkeit. Die Insel hat auch den Beinamen Stonemoney Island. Wir wandern durch den Dschungel, und dann, in einer Lichtung sehen wir den riesigen Stein mit einem Loch in der Mitte: das berühmte Steingeld dieser Region.

Stone Money auf Palau

Hier wurde es produziert und dann übers Meer auf abenteuerlichen Fahrten nach Yap gebracht, eine der Inseln Mikronesiens – 452 km Luftlinie entfernt. Bis heute kann man sie dort sehen, und sie haben immer noch ihren Wert als Zahlungsmittel. Entscheidend für den Wert ist aber nicht die Größe, sondern es sind die zu überwindenden Gefahren beim Transport über das Meer mit Kajaks. Hier stehen wir vor einem zurückgebliebenen Stone money.

Viel zu schnell vergeht die Zeit. Bevor wir auf die Hauptinsel zum Rückflug kommen, erleben wir die einmalig schöne Unterwasserwelt. Wir tauchen in dieses Farbenspiel der Korallen und Fische ein – zuerst an einem Riff mit blauen Korallen. Ein zweiter Stopp am Beginn eines Channels. Wir gleiten mit der Strömung bis fast zum Ende des Kanal, wo unser Boot auf uns wartet. Es ist nicht einfach, dann aus der Strömung seitwärts hinauszuschwimmen. Palau ist ein unvergleichliches Unterwasserparadies, erstes Haischutzgebiet der Welt und seit 1992 auf der World Heritage Liste mit den Rock Islands Southern Lagoon. Einen Teil davon so intensiv zu erleben bleibt unvergesslich. Schwerer konnte uns der Abschied nicht gemacht werden als mit dem Eintauchen und Treibenlassen in dieser Korallenwunderwelt mit Meerestieren in allen Farben und Formen.

(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserved.

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The Art of Traveling Differently

The Art of Traveling Differently

Asia 1991 – via Singapore, Hong Kong, Macao and Bangkok to Ho Chi Minh City – a fast track in three weeks

They recognize themselves by whatever means. They are unadjusted globetrotters, travelers who get on a plane and, after landing, see what’s going on and what they can do. Shortly after being told to unbuckle from the main cabin, they find each other and start exchanging information about places where there are no tourists, how to get there, stay cheap, eat exotic food and discover pristine beaches and remote cultural sites. All this happens with a natural and informal contact with the people of the country, from which again, new tips for further adventures arise. 

 Now I’m sitting next to my friend Juergen, one of these nomads (not immediately recognizable as such in civilian life) on the plane to Singapore, and I’m lucky enough to experience this kind of travel; at first, still tense, then enjoying it more and more. Our arrival and departure point were thus fixed – everything else resulted from a mixture of desires and opportunities and leads in the end to an unexpected highlight. 

Asia for me, has been a long-cherished dream destination, underpinned with a lot of book knowledge, and is now coming true. My first encounter with this continent captivates me so much that I don’t know where to look first. Jürgen, experienced in Asia, moves safely through the metropolises of Asia with local means of transportation.  I follow him in amazement, absorbing everything around me like a sponge. We land at 9 a.m., book a hotel for one night in the airport and off we go by cab to the hotel and then further by metro to the Singpore River. We followed one of the proven travel rules: get out of the plane and into life, use the short amount of time wisely – you can sleep and rest at night.

The change to the sultry heat slows our steps only a little until the first break at the Singapore River. There is the famous river view with the old trading houses. Here we discover by chance a poster with an advertisement for an exhibition of the HAN Dynasty. So we change our daily plan and have the unexpected luck of getting tickets . Fascinated, we stand in a large hall in front of the warriors and horses from Xian – the first exhibition of these finds outside China.

The cavalry army of Xian

Ten,Ten, Ten echoes over a square, lit only by countless open fireplaces.

After the first exploration of this sparkling clean city, we dive into the romantic scene of blazing fires, seductive smells, and plumes of smoke of the Satay Club in the warm evening air. Ten chicken, ten beef, ten mutton – a pleasure that no restaurant can offer – the atmosphere does it. We  eat uncounted skewers together with ice-cold Tiger Beer, enjoying the evening. We then slowly walk past the Merlion, the landmark of the city, to the hotel for the first rest after a long flight.

Satay Club Singapore

Finally rested, we fly at noon  on to Hong Kong. Three and a half hours later, we are in the adventurous landing approach to the old Kai Tak Airport, i.e. straight ahead to just before a mountain, 90 degrees to the right and just above the skyscrapers; almost touching the laundry hung on the roof terraces of the skyscrapers. We touch down on the runway by the sea. 

We had hardly arrived, but a look to the sky, blue sky and sun means, according to the travel rules, drop your suitcase and go up to the Peak to enjoy the fantastic postcard view over the bay and the city. Hours later, clouds come up again – it is a matter of capturing the right moment.

 Hong Kong, this vibrant, pulsating, never sleeping megacity c takes you immediately into the constantly flooding stream of people and cars. What a contrast to Singapore – a completely different world just a few hours away from each other by plane.  

 In the evening, when hunger sets in, Jürgen’s eyes light up as he takes us not to a restaurant but to Poor Man’s Night Club on Hong Kong Island. Loud hustle and bustle, open air and fireplaces all around. Cleanliness? Hygiene?  At first sight, not really. A first  look around and I say spontaneously: “ here I do not eat“ the diarrhea already setting in before my eyes. And then it was me who just wanted to go there again the next evening, tastier food you cannot eat and still stay healthy. The old rule, „cook it, boil it or forget it“ was found to be true here, by the huge woks over the flames. After several courses and now well satiated, we take the „Star Ferry“ for one Hong Kong dollar back to Kowloon and take another digestive stroll through another night market. Temple Street, with its fortune tellers, palm readers, small stages with Canton opera performances, majong playing older gentlemen (already prepared for the night in plain pajamas and slippers), countless stalls.

Poor Man’s Night Club Hong Kong Island

 We had a ferry to Macao, which we spontaneusly booked for the next day, and it went only when another rule for Asia was observed. Toilets could only be used during the day in the hotel when only on tour. We took the normal boat with the locals, the speedboat taking those in a hurry as well as tourists.  Soon I realized why. Shortly after leaving the territorial waters of Hong Kong, there was a huge metallic noise on our ferry – not from a collision but from hundreds of slot machines (forbidden in Hong Kong) rattling down the grids. Almost everyone on board rushed to the devices for a few hours of pure gambling. Macao, the Portuguese lease area is interesting to see, but above all has the Las Vegas flair of a were rather boring, but at sea, there was the Floating Casino, an adventure to be had. A whole other clientele squatted there, strictly supervised, at the gaming tables, deeply bent over,  with unknown old Chinese playing cards close in front of their faces, briefly at the edge, lifting, safe from glances from wherever. We had a feeling like in a Mafia film. At the doors, on the matted ancient carpets, stood the old spittoons, relics from former dynasties, used unerringly. We can’t stay too long, eyed suspiciously from all sides as „long-noses,“ a kind of discreet expulsion.

Floating Casino Macao

 We went on to Bangkok where, after visiting the main sights, we went to a small travel agency known to Jürgen, from the past. We hand in our passports (I didn’t think we’d ever see them again) and asked the head of the Exotissimo Travel Bureau to find something delightfully adventurous „off the beaten tracks“ for us in Indochina:  still absolute terra incognita for tourists in the early 90s. 

We took a bus through heavy traffic to the coast to Ko Samed, a small island in the Gulf of Thailand. We left our heavy suitcases in a large hut on the beach. Here I have, probably for the last time, a feeling of insecurity, e.g. never to see the luggage again. This different way of traveling had increasingly become part of my understanding of travel. We get into a small boat and go to an island without tourism for absolute beach recreation. At the jetty we are greeted with a chalk board by the proud owner of his first cell phone. Our cabins could be booked using his phone for the first time. This was a dreamlike time for us; sleeping on bamboo beds took some getting used to, though. The most beautiful experience came the next morning. The islanders on our side of the island, women in colorful dresses, went into the sea at sunrise; and we stood with them up to our necks in the warm water, blinking at the early sun. A last paradise, but unfortunately already endangered: On our last day, a first boat with day tourists from Bangkok docked…

The Pineapple Beach of Koh Samed

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Back in Bangkok, the head of the travel office saw us coming and waved our passports. Beaming, he announced to our total surprise that we are among the very first foreigners who can enter the country after the Vietnam War. Proudly, he hands us a three day visa and ticket for Ho Chi Minh City (Saigon). We can hardly believe it and we don’t have much time left until our departure. We drop off our luggage in the „left luggage area “ and fly off with only the bare necessities.

We are picked up by our guide, a line loyal deserving member of the CP of Vietnam, and were taken to a hotel. During the ride we received clear instructions about the itinerary and a map in which the districts are marked where we are not allowed to go. Years after the end of the Vietnam War, Vietnam is cautiously opening up and one feels far back in time.

After a (guaranteed not the last) epicurean tasting in Saigon, we let tricycle drivers drive us through Saigon.

Trycicle Taxi in Saigo

The streets were teeming with bicycles, mopeds, rickshaws, a few cars and people in constant motion. It was frightening to see how thin and emaciated many people were. But everything works without accidents in this hustle and  drove into the horrors of the Vietnam War. We went past burned out tanks on which children play and shot down helicopters.  We go into the war museum. The photos there and the disfigured fetuses in glass containers as a result of Agent Orange and napalm bombs make us freeze. What we see there is almost unbearable and continues to have an effect on us for a long time.

The next day we drive overland with our guide, past picturesque rice fields and thousands of ducks that are brought in trucks and plunged into the submerged rice fields for natural pest control. Our destination is the famous tunnels of Chu Chi, whose entrances are so well camouflaged that we cannot find them despite an intensive search. They are being prepared for tours and it is an oppressive feeling to crawl into such a tunnel. The corridors located on three floors held everything the Vietcong needed; there were also kitchens whose smoke was directed in such a way that it appeared kilometers away and was bombed by the Americans without causing any damage. Perverse, however, was a shooting range set up as a foreign exchange earner, looked after by partially amputated Vietcong.  One could shoot there using the old weapons of the Vietcong. We politely declined the offer.  On the way back, we pass the American embassy, where in a panic the last American soldiers and embassy staff escaped in helicopters from the roof just ahead of the invading North Vietnamese troops.

The invisible tunnel entrances

Afterwards, we returned to the streets – unfortunately we again experienced the confrontation with the victims of the American bombardments: arms and/or legs amputated, war invalids, who crouch with their remaining bone stumps on cardboard boxes, laboriously   begging for a small alms…

I have experienced, through other travel, the courageous determination to do extraordinary things when it becomes unexpectedly possible. To experience special places at a unique time, small windows of opportunity are often closed again in a hurry. This has been one of those special opportunities that opened up to us on this trip.

There were still a few hours remaining to us today in Ho Chi Minh City and we escaped our leader by the supplier entrance. We rented a Tricycle and the driver drove us into the forbidden districts, with cellar vaults where art treasures from temples were hidden; to a market, from whose labyrinth we would have never found by ourselves.   He did not wait outside but accompanied us, unnoticed by us. At two points. he told us to go on and so gave us the security to enjoy this runaway trip and then return with a guilty conscience to our guardian. The slight panic on our guardian’s face slowly disappeared from his face when he saw us arrive. To reconcile, we invited him in the evening to a „dinner cruise“ on the Saigon River; there was a tiny kitchen on the lower deck, where sweaty cooks prepared freshly caught seafood for us in the wok. While they cooked, we could look on the upper deck at the transport boats on the quay, unloaded not with cranes, but with pure manpower. These men are known as coolies, and balanced on swaying planks with rice bags weighing tens of kilograms on their shoulders.

Vietnam 1991, what an experience!  A trip that shaped me for the future.

(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserve

All pictures © by Burkhard Mielke and Jürgen Steinmeyer, all rights reserved, commercial and private use prohibited.

English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY

Gorilla Begegnungen

Fast 50 Jahre ist es her, dass ein Bekannter mir erzählte, er habe einige Jahre zuvor ein Gorillababy für einen Zoo bei sich zu Hause aufgezogen. Er lud mich ein, gemeinsam seinen ehemaligen Zögling im Zoo zu besuchen. Schon als wir den Gang zum Gehege betraten, stieß der Gorilla die ersten leisen Freudenschreie aus. Er witterte sofort seinen Ziehvater. Das beeindruckte mich sehr, da dieser ja längere Zeit nicht zu Besuch gewesen war. Meine Begeisterung wich dann aber schnell einem gewissen Angstgefühl, als das Gehege aufgeschlossen wurde und der Ziehvater mich einfach mit in den Käfig hinein nahm. Der Gorilla, inzwischen zu stattlicher Größe herangewachsen, umarmte seinen Besucher glücklich und aufgeregt, blickte dann nach links zu mir und nahm mich ebenfalls in den Arm, ohne mich zu erdrücken. Mein Herzschlag setzte kurz aus, aber dann war es ein einmaliges Gefühl in der herzlichen Verbundenheit zwischen Mensch und Tier.

Und nun stand ich diesen großartigen Gorillas in freier Natur gegenüber.

Neun Tage sind wir bereits durch Uganda gefahren, immer im Hinterkopf an den Tag X denkend: Wird es regnen? Werden wir die Gorillas sehen…? Bis kurz vor unserer Ankunft in Entebbe hat es sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen gegeben. Seitdem sind die Hochwasser zurückgegangen und die Regenfälle seltener und kürzer. Das lässt hoffen. Wir können wieder auf den vorgeplanten Routen fahren, die Tage zuvor noch unpassierbar waren. Morgen werden wir zum Bwindi Nationalpark kommen, in dem mehrere Gorillafamilien leben. Die Spannung steigt, und trotz einiger Schlaftrunks wird es eine etwas unruhige Nacht voller Erwartung, Vorfreude und restlicher Ungewissheit, ob das Wetter mitspielen wird. Es hat gestern fast den ganzen Tag geregnet, heute aber scheint die Sonne, die langsam den Nebel verdrängt. Wir haben Glück. Aber der Boden ist noch feucht. Und dann beginnt das Abenteuer. Wir treffen die Ranger und Porter, müssen unsere Pässe abgeben und werden einer Gruppe zugeteilt. Maximal acht Personen gehören zu einer Gruppe. Bevor es losgeht, erhalten wir noch ausreichend Informationen über Sicherheitsvorschriften und Verhaltensregeln während der Suche nach den Gorillas und bei der Begegnung mit ihnen. In einem langen Habitationsprozess hat man die Bergorillafamilien an kurze einstündige Besuche gewöhnt. Dies ist die maximal erlaubte Zeit. Es gibt fünf Familien in diesem Park, und wir werden versuchen eine davon, die Bweza Familie, zu finden. Die Rangerin erklärt uns, dass die Familie von den Scouts in einer bestimmten Gegend gesichtet wurde, und wir also ungefähr wissen, wo sie sich aufhalten. Ich nehme mir einen Porter als helfende Hand. Dies sind junge Männer aus der Gegend, die sich auf diese Weise etwas Geld zum Leben dazu verdienen. Jedem von uns wird großer stabiler Stock noch zur Unterstützung mitgegeben, und auf geht’s. Voller Energie brechen wir auf, und es verspricht kein besonders schwieriger Weg zu werden, mit herrlichen Ausblicken auf das umliegende Panorama des Bergregenwaldes.

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Dann biegt unsere Rangerin links ab, und von da ab geht es steil bergauf durch dichtes Unterholz. Wir folgen den Guides, die mit den Macheten einen Pfad durch den Bergregenwald schlagen – immer mit einer Seite nah am Hang und rechts den Abgrund vor Augen. Wir sind inzwischen auf über 2000 Metern Höhe. Seit mehr als zwei Stunden geht es durch dichten Dschungel, über rutschiges, feuchtes Wurzelwerk, Dornenbüsche streifend, manches Mal in Lianen verheddert oder durch versteckte Senken strauchelnd. An manchen Stellen müssen wir recht steile Hänge hinaufklettern, immer in Gefahr abzurutschen oder uns zu verletzen.

Auf einmal spielt alles eine Rolle. Der Aufstieg bringt uns an unsere Grenzen. Jeder Ausrutscher und jedes Straucheln kostet Kraft und nur der Gedanke an die Gorillas lässt uns stur weiterlaufen, keuchend und mit starrem Blick auf das unwegsame Gelände vor uns. Kurze Pausen sind immer wieder nötig, und einer von und scheint fast zu kollabieren, so dass wir etwas länger verharren. Konditionell bin ich gut dabei, aber aber der feuchte und glitschige Boden erfordert volle Konzentration bei jedem Schritt. Mehrmals verdanke ich nur meinem Porter, dass alles gut geht. Von täglichen Verletzten und dem „Uganda Helikopter“ (acht sich abwechselnde Porter mit Trage) hören wir zum Glück erst nachher von Moses, unserem Fahrer. Der Aufstieg und die Suche werden immer beschwerlicher.

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Doch dann kehren die Lebensgeister schlagartig zurück. Durch die volle Konzentration bei jedem Schritt des steilen Aufstiegs und am Rande der Erschöpfung, gelangen plötzlich Geräusche an unsere Ohren. Ich bin wie elektrisiert. „Da müssen sie sein“ zeigt mein Porter weiter  nach oben. 

Letzte Energien werden jetzt mobilisiert, denn wir wollen die Berggorillas sehen, was nicht immer garantiert ist.

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Tatsächlich zurückgelegter Weg auf der Suche nach „unserer“ Gorilla-Familie (GPS)

Noch müssen wir eine Weile kreuz und quer weiter aufsteigen, dann das Stoppzeichen unserer Rangerin, und sie zeigt uns die ersten Mitglieder unserer Gorillafamilie hoch vor uns auf den Bäumen.

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Welch ein Anblick!
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Wie weggeblasen die Strapazen des Aufstiegs, und die Euphorie ist zurück, darf sich aber nicht äußern: Schweigen ist angesagt bei dieser Begegnung von Mensch und Tier in freier Natur. Eine Stunde haben wir nun Zeit die Bweza Gruppe zu beobachten. Ein tiefgehendes emotionales Erlebnis.

Wir gehen weiter, um näher an die Gruppe heranzukommen. Hinter einer Wegbiegung stoppt unsere Rangerin, und unvermittelt sehen wir uns einer Mutter mit zwei Jungtieren gegenüber. Ich frage leise: „Was nun?“ Sie zuckt mit der Schulter und beobachtet die Mutter voll konzentriert. Dann Entspannung. Das Muttertier dreht sich zur Seite, greift nach einem Ast und fängt an mit Genuss Blätter zu fressen.

Und die kleinen Gorillas verhalten sich wie alle Kinder, kommen munter und unbesorgt purzelbäumend auf uns zugerollt bis vor unsere Füße.

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So nah dürfen sie uns aber nicht kommen wegen der Infektionsgefahr. Nach einem kleinen Klaps mit der Seite der Machete ziehen sie sich beleidigt auf einen Baum zurück.

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Nach diesem erst spannenden und dann heiteren Erlebnis gehen wir weiter und treffen auf die gesamte Familie in einer Senke einige Meter unter uns.

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Zentraler Mittelpunkt: der Silberrücken
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Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 1-1-13-683x1024.jpgFressen und spielen sind die Hauptbeschäftigungen der Kleinen, am liebsten auf dem breiten Silberrücken.

Eine Stunde haben wir jetzt Zeit die Gorillas zu beobachten, eine Zeit, die wie im Fluge vergeht. Nach dem langen Aufstieg, aus unserer Sicht viel zu schnell, gibt die Rangerin das Zeichen zum Aufbruch. Doch dann bleibt sie plötzlich stehen und sieht etwas, was sie selbst trotz vieler Jahre im Park noch nicht erlebt hat: zwei Teenager machen ihre ersten, noch ungeschickten und vergeblichen Liebesversuche. Sie filmt dieses Ereignis ausgiebig, und so können wir noch eine Weile länger bleiben.

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Erfüllt und glücklich kommt die Realität des zwar kürzeren, aber nicht minder gefährlichen Abstiegs in unser Bewusstsein. Mit leichten Prellungen, Zerrungen und Dornenspuren erreichen wir, ansonsten unverletzt, unseren Ausgangspunkt im Bwindi Nationalpark.

Dort verabschieden wir uns von unseren Portern, ohne die wir dieses Abenteuer nicht geschafft hätten, und erhalten unser Gorilla-Trecking-Diplom. Als ich für das Diplom aufgerufen werde, fangen alle an zu klatschen. Die Ranger hatten wohl in meinem Pass mein Geburtsdatum gelesen, und ich soll der bisher älteste Teilnehmer bei diesem Trekking gewesen sein. Erstaunt und etwas gerührt bedanke ich mich, behandele noch kurz mit Hilfe meines Notfallpäckchens einen Ranger, der sich mit der Machete tief geschnitten hatte. Zurück ging’s dann ins Traveller’s Rest, der Lodge,  in der auch Dian Fossey damals gewohnt hatte.

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Der nächste Tag dient der Erholung, und wir nehmen das Angebot einer “Relaxing after Gorilla Massage“ dankbar an.

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Erst nach dieser Entspannung wurde mir richtig klar, welches Glück wir gehabt hatten mit diesem einmaligen Erlebnis der Begegnung mit der Bweza-Gruppe. Es gibt Ereignisse, wie auch vor vielen Jahren meine erste Gorillabegegnung, die nur schwer in Worte zu fassen sind.

Vor und nach der Gorillabegegnung sind wir mit insgesamt 2600 km eine große Runde durch ein schönes Land gefahren, ein Land das aber leider dabei ist seine Naturparks aus wirtschaftlichen Gründen zu zerstören. Hoffen wir auf eine Wende zu nachhaltiger Sicherung der Grundbedürfnisse der Menschen und Tiere, auf die Rettung einer einzigartigen Natur und darauf, dass noch für viele Menschen dieses Naturerlebnis in Zukunft erhalten bleibt.

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St.Pierre et Miquelon -wie alles anfing

Zwei Alumünzen mit der Aufschrift „St.Pierre et Miquelon“ hatte ich in der Hand beim Durchwühlen einer Kiste mit Münzen aus aller Welt in einem kleinen Amsterdamer Touristenladen. Offensichtlich französisch: 1 und 2 Francs.

Aus eigener Sammlung

Es war in den Mitfünfzigern und ich vielleicht 12 Jahre alt – eine Zeit ohne Internet, Wikipedia und Google. Neben anderen kleinen Münzen, deren Schrift ich nicht lesen konnte, nahm ich diese beiden Alumünzen mit nach Hause – für wenig Geld, denn es gab auch noch keine detaillierten Münzkataloge mit Preisangaben. Meine Neugier war geweckt! Seit einigen Jahren sammelte ich erst Briefmarken, tauschte dann die Briefmarken mit meinem Bruder gegen dessen Münzen ein und erschloss mir so nach und nach die ferne, lockende Welt. Niemand, weder mein Erdkunde- noch der Französischlehrer, konnten mit diesem Ländernamen etwas anfangen. Dabei blieb es zunächst, bis ich auf einen alten Briefmarkenkatalog der Gebrüder Senf stieß, der alle auch noch so kleinen Winkel dieser Welt aufführte, wo je eine Briefmarke erschienen war.

Hier fand ich schließlich St. Pierre et Miquelon, eine Inselgruppe 25 km östlich der kanadischen Küste und südlich von Neufundland. Es ist französisches Überseegebiet, gehört heute somit auch zur EU, und es ist alles, was von der früheren französischen Kolonie Neufrankreich bis heute übrig blieb. Und es ist der westlichste Punkt Europas.

Für heutige jüngere Leser_innen ist dieser Suchprozess (heute Recherche genannt) kaum nachvollziehbar. So eine Frage klärt man heute in Minutenschnelle über Google.

In der Folge suchte ich weiter nach exotischen Münzen, versuchte Inschriften zu entziffern und mich über andere Länder zu informieren. Eines blieb immer im Hintergrund: ich wollte einmal im Leben nach St.Pierre et Miquelon.

Schon früh wurde meine Sehnsucht andere Länder kennenzulernen durch meine reiselustige Mutter weiter forciert. Mit einem Käfer und Zeltausrüstung auf dem Dachgepäckträger zog sie mit uns Kindern los, und oft war auch der eine oder andere Freund dabei, in immer weiter entfernte Orte. Über die niederländische und belgische Nordseeküste und dann in den warmen Süden durch Frankreich nach Italien bis Rom. Im Winter ging es mit dem deutschen Alpenverein nach Österreich und in die Dolomiten zum Skilaufen. Der deutsche Drang nach Süden zu Wärme, Palmen und blauem Meer wurde nach den langen Kriegsjahren und den folgenden nicht leichten Aufbaujahren immer stärker.

Das waren für mich lässige Ferien am Strand und sportliche in den Bergen. Doch unvermeidlich in Italien waren auch die ersten Begegnungen mit Kultur, den Interessen meiner Mutter und älteren Geschwistern folgend, mit Museumsbesuchen und Kathedralen und der Begegnung mit dem alten Rom. Dazu kamen immer mehr persönliche Begegnungen mit Menschen bis hin zu familiären Kontakten. Das war so richtig etwas für mich und mein Interesse am Anderen.

Aber es sollte noch lange dauern, bis ich die fernen Ziele in Asien, Amerika und Afrika erreichte, die ich schon über erste Fantasien, ausgehend von neuen Münzen, kennengelernt hatte.

Und dann war es fast so weit, endlich nach St. Pierre et Miquelon zu kommen.

Wegen einer schon lange bestehend intensiven Familienfreundschaft in Seattle begannen viele Reisen dorthin, mit unterschiedlichen Vor-bzw. Nachprogrammen.

1996 fuhr ich, inzwischen mit eigenen Kindern, von NewYork nach Seattle und über den Transcanada Highway zurück an die Atlantikküste mit dem Ziel, am Ende nach St.Pierre et Miquelon zu kommen. Es blieben nur wenige Tage bis zum Rückflug, und dann, welch eine Enttäuschung! Sturm über dem Atlantik und keine Garantie mit dem Schiff rechtzeitig wieder zurückzukommen. Ein Wunsch, der nicht in Erfüllung ging.

Erst viel später, im Jahr 2011, anlässlich eines Kongresses in Toronto, blieb dann endlich genug Zeit nach Neufundland zu fliegen und dort eine 3-Tage Package zu buchen für die Schifffahrt und den Aufenthalt auf dem letzen Stück Frankreich in Nordamerika. Von Fortune Newfoundland bis nach St. Pierre et Miquelon braucht es 55 Minuten.

Nach ruhiger Überfahrt kam das erste Erstaunen bei der Einreise. Bei der Passkontrolle sollten wir schnell durchgewinkt werden, und man wollte mir den heiß ersehnten Stempel der Inselgruppe nicht in den Pass geben. Diese Erleichterung der Formalitäten gefiel mir gar nicht, und es brauchte ein bisschen Erklärung des Herzensanliegens zum Erfolg. Erst dann wurde uns bewußt, dass wir als Europäer nur in die EU zurück kamen. Ils sont fous, les Allemands, haben die Grenzer vermutlich gedacht. Aber ich hatte meinen Stempel im Pass und war glücklich.

Endlich der Stempel im Pass

Nach 68 Jahren ging nun endlich mein Wunsch in Erfüllung, diese Inselgruppe zu erleben.

Mit einem Schritt weiter kam der Eintritt in die französische Welt. Das Flair, die Geschäfte, die französischen Restaurants und Cafés und die selbstverständliche Sprache, da geht einem Frankophilen das Herz auf.

Ein Menü der Extraklasse mit ausgezeichneten Weinen genießen wir und das zu Preisen, die in Frankreich undenkbar sind

Trotzdem ist es nicht leicht, in dieser abgelegenen und vom Klima her unwirtlichen Gegend genügend Franzosen zum Bleiben zu bewegen. Französische Subventionen erleichtern das, indem man hier auf nichts verzichten muss, was man von Frankreich her kennt, vom französischen Wein bis zu …

Besonders deutlich macht sich die einsame Lage auf dem 45. Breitengrad bei einem Ausflug auf den südlichen Teil von Miquelon, „Langlade“. Hier weht ein kühler Wind über die hochwachsenden, dünnen Gräser, die das hügelige Inselland bedecken, so weit das Auge reicht.

Ab und zu ein längst verlassenes ehemaliges Landhaus, selten einmal eine Pferdegruppe, die davon zeugt, dass doch das eine oder das andere noch bewohnt zu sein scheint. Eine angehaltene Zeit.

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Grenzgänge

Wollen Sie wirklich nach Mexiko?

Mai 2016 in New Mexico

Wollen Sie wirklich nach Mexiko? Wir sind falsch abgebogen und stehen plötzlich am Grenzübergang der USA nach Mexiko. Erstaunt verneinen wir und dürfen umdrehen. Auf dem Highway fahren wir jetzt weiter westwärts, entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Rechts und links von uns leere weite Wüstenlandschaft und ein tiefer Graben, aus dem von Zeit zu Zeit Polizeiautos der Border Control hochfahren, auf der Suche nach illegalen Einwanderern.

Das schwarze Asphaltband vor uns flimmert in der brennenden Sonne, die uns den ganzen Tag begleitet. Mit dem bequemen Leihwagen, angenehm heruntergekühlt, Drinks auf der Konsole und Tempomat eingestellt, fahren wir entspannt weiter und können dabei die Landschaft vor uns erleben. Dieses Fahr- und Reisegefühl ist in Europa nicht zu haben. Wir sind, ausgehend von Los Angeles, zu einer Rundreise durch die Nationalparks des Südwestens losgefahren, mit einer gedachten Route, einigen festen Zielen, aber ohne genauen Plan außer dem Zwang des Rückflugdatums. Wir „tingeln“ gern und lassen uns überraschen, so auch jetzt, auf der Strecke von El Paso nach Westen, immer entlang der Grenze zu Mexico. Am späten Nachmittag fangen wir normalerweise an, uns um ein Motel zu kümmern. Die kleinen Ortsnamen auf unserer Karte lassen uns in Unsicherheit in dieser Gegend noch eine Unterkunft zu finden. Schon denken wir daran von dieser Grenzstraße zum Highway hochzufahren. Doch dann das Unerwartete: bei der Einfahrt nach Columbus sehen wir zu unserem Erstaunen ein großes Hotelschild. Ohne zu zögern fahren wir vor, und es ist „vacancy“.

Nach einem netten Gespräch mit Philip, dem Besitzer des Hotels, checken wir ein. Gegenüber an einem Gebäude wirbt ein großes Plakat für ein Restaurant, und alles scheint bestens zu sein. All dies in einem kleinen, etwas trostlos wirkenden Ort zu finden, hat uns überrascht.

Und dann kamen wir doch nach Mexico ohne die Marshallfrage, ob wir da wirklich hinwollen.

„Das Restaurant hier ist schon lange geschlossen. Ich fahr mit euch gleich rüber in ein gutes Restaurant in Mexiko, in 10 Minuten geht’s los. Das trifft sich gut. Ich muss da sowieso hin, in dieses Restaurant, deren Sohn ist neuer Schüler bei uns,“ sagt Philip, der Hotelier. Brauchen wir ein Visum für Mexico? Egal wir fahren hier hin und her, das macht nichts. I`ll drive.Freudige Überraschung und Erstaunen führte in kürzester Zeit dazu, dass sich unser Eindruck von einem kleinen, trostlosen Wüstenort diametral veränderte, und das in mehrfacher Hinsicht. Ich bin Republikaner und Ihr? war der Anfang des Gesprächs im Auto – ein unerwarteter Einstieg. Wir sind social democrats – ohne Kommentar ok.Und dann zeigte sich, wie eng Ideologien und Vorurteile sein können. Wie wichtig es ist, menschliche Begegnungen zu haben und den einzelnen Menschen zu erkennen ohne ihn gleich einzuordnen.

Auf der kurzen Fahrt zur Grenze und danach erfuhren wir seine beeindruckende Lebensgeschichte und die der Menschen in dieser hier grenzüberschreitenden Region. Ursprünglich aus Kalifornien und Unternehmer mit Produktionsstätte im Mexiko, ist er in Columbus geblieben und jetzt Bürgermeister von Columbus, Hotelier, Fremdenführer, Tourorganisator und Schulbusfaher in einer Person.

An der Grenze wurden wir einfach durchgewunken und kamen so in die Provinz Chihuahu.

Gleich hinter der Grenze sehen wir, untypisch für einen kleinen Grenzort, Schilder: American Dental Clinic und Optometrist Clinic. Hier fahren die Amerikaner hin, um zu günstigen Preisen den in den USA so teuren Zahnersatz und andere medizinische Leistungen günstig zu erhalten. Auf amerikanischer Seite gibt es dagegen eine Geburtsklinik, in der mexikanische Kinder bei der Geburt Amerikaner werden, erfahren wir während der kurzen Autofahrt. Als Schulbusfahrer holt unser Begleiter jeden Morgen die Kinder aus Palomas de Villa in die Highschool in Columbus und bringt sie abends wieder zurück. Seit über 50 Jahren fühlen sich die Menschen beiderseits der Grenze als im Grunde eine Kommune. Während er mit den Eltern über ihren Sohn als neuen Schüler der Highschool spricht, genießen wir ein äußerst leckeres mexikanisches Essen und fahren dann wieder, an der Grenze durchgewinkt, ins Hotel zurück.

Puerto Palomas de Villa , Chihuahua, Mexiko -Restaurant La Fiesta
Im Restaurant in Mexiko mit dem Bürgermeister von Columbus

Ein emotionales und unser Denken veränderndes Erlebnis einer gemeinsamen Welt, das einen starken Einfluss auf uns hat und vieles unserer bisherigen Vor-Urteile stark relativiert, weil vieles in neuem Licht erscheint.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns herzlich und fahren weiter westwärts zu unserem nächsten Zielort mit dem in dieser Wüstengegend sehr erwartungsvoll stimmenden Namen Twenty Four Palms.

Mit Cocktails am Pool unter angestrahlten Palmen kehrt dann eine andere Realität schlagartig zurück. Wir genießen den Abend in Gesellschaft eines netten Paares, und dann kommt das Gespräch auf die Politik. Man zeigt uns auf dem Smartphone ein Video als Beweis, dass Hillary Clinton Muslima sei, und wir erkennen, dass wir im Wahlkampf 2016 gelandet sind.

Dies aber konnte unser Erlebnis von Columbus nicht überlagern.

Jetzt, Jahre später im November 2020 mit meinem Projekt über herausragende Momente auf meinen Reisen zu schreiben, kommen die Bilder und Gespräche zurück und die Frage, wie es Columbus ergangen ist.

Die Recherche zeigt Trauer und Hoffnung zugleich. Die Ideologie hat auch Columbus und Palomas nicht verschont. Die beiden Orte haben sich stark verändert und sie getrennt. Aber jetzt erscheint neue Hoffnung am Horizont, dass diese „once-human-border relationship“ (The Economist,26.02.98) wieder auflebt und der Wille ist da, die alten Verbindungen wieder aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

Wir sind durch diese Wüstenlandschaft damals im Mai gefahren, und die sonst nur grünen Kakteen blühten in allen Rot- und Gelbfarben. Diese Blüten stehen für das möglich Schöne in dieser Welt und in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es war einige Jahre nur eine Hoffnung, die vielleicht bei der nächsten Blüte zur Gemeinsamkeit zurückführt.

Der Wunsch kommt auf, diesen Ort wiederzusehen.

(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserved

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