2011 Im Zauber des Himalaya 

Nepal Ostern 2011

2011 unternahm die Schulleitungsvereinigung Nordrhein-Westfalen (SLV NRW) eine von mir organisierte Studienreise nach Nepal. Während der Osterferien reisten 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Katmandu durch die Katmandu Hochebene hinunter ins Tiefland und den Dschungel und zurück durch die Berge nach Pokhara und dm berühmten Fewa See vor der Annapurna-Kette.


Atemlose Stille folgte dem Handzeichen des Wildhüters im Dschungel Nepals. Auge in Auge, nur 100 Meter auseinander, standen wir plötzlich vor einem der gefährlichsten Tiere des Chitwan Nationalparks. Nur gut, dass das riesige Panzernashorn uns nicht sehen konnte und wir gegen den Wind zu ihm standen. Mit äußerster Umsicht zogen wir uns zurück hinter den Elefanten, auf dem ein anderer Teil unserer Gruppe in sicherer Höhe saß.

Drei Tage verbrachten wir zur Beobachtung der vom Aussterben bedrohten Rhinos und der Fauna und Flora dieses beeindruckenden Naturreservats.
Zweifellos ein Höhepunkt unserer Reise, ebenso faszinierend wie der Flug mit einer kleinen Propellermaschine entlang der majestätischen Gebirgskette des Himalaya und vorbei am höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest. Und dies bei strahlend blauem Himmel, der mit dem Weiß des ewigen Schnees der Berge in der gleißenden Sonne kontrastierte.

Wir, das war eine 21-köpfige Reisegruppe, die sich über den Service der SLV NRW zu dieser Fahrt zusammengefunden hatte. Ein langer Flug mit Air India brachte uns über Delhi zu unserem Ziel nach Katmandu, der Hauptstadt Nepals.

Emmpfangen und während der 14 Tage begleitet wurden wir von Narayan Adhikari, einem Nepalesen, der, mit einer Deutschen verheiratet, die Reiseleitung in perfektem Deutsch gestaltete.

Die Königsstädte (Weltkulturerbe) Kathmandu (Kantipur), Bhaktapur (Bhadagon) und Patan (Lalitpur), Tempel, Verbrennungsstätten und Stupas, Erotik am Kamasutra Tempel, der nepalesischen Form der Aufklärung für jung Vermählte, Treffen und Healings mit dem höchsten Schamanen Nepals, ein Besuch in einem Dorf tibetischer Flüchtlinge, Teilnahme an einer Tempelzeremonie und das pulsierende, laute, gedrängte und bunte Leben in den Städten. Wer hier den Verkehr überlebt, wird überall klar kommen. Faszinierend auch die friedliche Koexistenz von Buddhismus und Hinduismus, die sich überall und nebeneinander in Form von buddhistischen Stupas und Klöstern (Gompas), Gebetsfahnen, hinduistischen Gottheiten, und heiligen Männern zeigt.

Und immer wieder die


Acht-Tausender Kulisse des Himalaya-Gebirges. Manchmal tauchten die Berge unerwartet auf. Gerade noch waren sie im Dunst verborgen, als ein plötzlich einsetzender heftiger Regen – Vorbote des nahenden Monsuns – auf das Wellblechdach der Schule in Bela trommelte. Dann wurde es still, der Himmel klarte auf und vor uns – man wollte es erst nicht glauben – öffnete sich der Blick auf das überwältigend schöne Panorama der Himalaya Gebirgskette. Ein unvergesslicher Moment am Dach der Welt.


Bildungsreise nach Nepal hieß aber nicht nur Besichtigungen der Stätten des Weltkulturerbes und all der Orte, um die Kultur, Religion und Tradition dieser Region kennenzulernen.

Wir hatten auch die Gelegenheit, zwei wichtige Projekte kennenzulernen, die mit Engagement von außen und innen die Lebensbedingungen der Menschen in einem bitter armen Land verbessern helfen.

Gleich nach unserer Ankunft waren wir in die Bright Future School, der Partnerschule der Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorf, in Naikap, einem Randbezirk von Katmandu, eingeladen.

Hier arbeitet der Freundeskreis Nepal aus Münster mit einem Schulverein und dem obersten Schamanen Nepals seit vielen Jahren zusammen und unterstützt die Schule in Verbindung mit einem Patenkindprogramm. Von den 1100 Schülerinnen und Schülern stammen etwa 250 Kinder aus sozial benachteiligten Familien, sind Waisen und Halbwaisen. Sie werden durch Schulstipendien unterstützt. Die Paten finanzieren den Schulbesuch inklusive Kleidung, Materialien und Schulessen und die Wohnung für die Familie des Patenkindes. Regelmäßig sind Mitglieder des Freundeskreises Nepal vor Ort

und besuchen die  Patenfamilien. Die Ärztinnen des Freundeskreises haben rund um die Uhr Sprechstunde und Hausbesuche und andere beschäftigen sich mit dem Neubau der Partnerschule. Zur Unterstützung dieses Projektes überreichte Margret Rössler für ihre Partnerschule einen Scheck – den Erlös des letzten Sponsorenlaufes ihrer Schule.
Am nächsten Tag ging es zu unserem zweiten Projekt.

Über eine Stunde Busfahrt entfernt von Katmandu halten wir auf einer Passhöhe und wandern dann fast eine halbe Stunde lang einen langen schmalen Pfad durch Felder und Bambuswälder hangabwärts nach Bela, wo wir im Schulzentrum herzlich empfangen werden. Die Dorfschule für zirka 500 Schüler aus Bela und den umliegenden Dörfern wurde hier in Zusammenarbeit mit unserem Reiseleiter erbaut vom ökumenischen Eine-Welt-Kreis (ÖWK) St. Nilolaus Wolbeck e.V. aus der Nähe Münsters. Die Schüler in Bela haben den besten Schulabschluss in ihrem Distrikt erreicht, in dem es immerhin noch 225 weitere Schulen, darunter auch Privatschulen gibt. Das ist ein ganz beachtliches Ergebnis, zumal die Regierung bis heute die Lehrergehälter nicht bezahlt. Deshalb ist die Schule auf Spenden angewiesen. Christel Marx, Schulleiterin der Benzenberg-Realschule in

Düsseldorf, konnte zur Unterstützung der Schule einen großen Scheck überreichen, ebenfalls der Erlös des Sponsorenlaufes ihrer Schule – vielleicht auch der Beginn einer neuen Partnerschaft dieser beiden Schulen. Auch hier die fröhliche und offene Atmosphäre wie in Naikap. Verabschiedet wurden wir mit Liedern der Schulgemeinde, um dann noch weiter abzusteigen bis zum Haus der Eltern Narayans.

Die weit verstreut liegenden kleinen Bauernhöfe der Region sind hier zum ersten Mal autark in der Energieversorgung. Bereits ein Wasserbüffel und eine Kuh reichen aus, um mit deren Dung die Biogasanlage zu befüllen, in der innerhalb kurzer Zeit ein Methangas entsteht, das zum Kochen verwendet wird. Das Biogas ersetzt hier das Brennholz und verhindert so den weiteren Kahlschlag der Wälder in Nepal. Finanziert wird dies nach einem interessanten Modell: Der ÖWK als Projektpartner in Deutschland reicht den Projektantrag beim BMZ ein, das bei positivem Entscheid dreiviertel der Kosten trägt, während einviertel der Kosten als Eigenleistung erbracht werden müssen. Da die Landbevölkerung am Existenzminimum lebt, wird die Eigenleistung über Spenden, die beim ÖWK eingehen, sichergestellt. So bringt jeder gespendete Euro den dreifachen Ertrag, und auf diese Weise wurden in den vergangenen zehn Jahren zwei Schulzentren für über 1.500 Schüler und mehr als 500 Biogasanlagen gebaut. Ein langer Aufstieg bringt uns zurück zur Straße, wo wir umringt von aufgeregt fröhlichen Kindern verabschiedet werden.


Wir haben ein ganzheitliches Bild von Nepal erfahren – traumhafte Landschaften, uralte Kultur – unsichere politische Verhältnisse, bittere Armut, daraus resultierend pulsierendes Leben rund um die Uhr, eine Farbenpracht und die Schönheit der Menschen und ihre so wohltuende Offenheit, Freundlichkeit und Gastfreundschaft.

Es fiel uns schwer, wieder abzufahren, und beim Abschiedsabend merkten wir dann, wie intensiv Narayans Programm gewesen war. Es wird lange dauern, all diese Eindrücke zu verarbeiten.

Da waren wir uns alle einig, und es kam etwas Wehmut auf, dass die gemeinsamen Tage zu Ende gingen. Es war eine Gruppe, die sich von Anfang bis Ende einfach nur toll verstanden und miteinander wohlgefühlt hat. Der Wunsch, noch einmal in diesen Teil der Welt zu reisen, wurde geäußert. Die Kontakte zwischen den Schulen werden bleiben, und ein neues Patenkind hat eine Chance fürs Leben erhalten.

Am Flughafen in Delhi trennten sich dann die Wege. Während der Großteil der Gruppe nach Hause flog, zurück zur Schule, konnten die Pensionäre ihr Privileg der Terminfreiheit nutzen für eine einwöchige Anschlussfahrt zum goldenen Dreieck: Delhi-Agra-Jaipur mit einem Besuch des Taj Mahal.

Irgendwo in Nepal

Hoffnung im Chaos nach der Abschaffung der Monarchie 2009eine Eliteschule öffnet sich für die armen Kinder der Region

März 2009

Bright Future – in dem Namen dieser Schule fokussiert sich Hoffnung gegen Fatalismus. Nepal, Zielort früher Träume ist nun erreicht. Erinnerungen kehren bei mir wie Einsprengsel zurück beim Landeanflug auf Kathmandu: James Hiltons, „Lost Horizon“ oder Lobsang Rampas „ Das dritte Auge“, Shangri – La, das unbekannte Refugium, Mustang ,das geheimnisumwobenes Königreich Lo, das sich lange jedem Tourismus widersetzte.Dazu Tiziano Terzanis erst idealisierende und dann, an der Realität überprüft, skeptischer werdende Berichte im „Spiegel“ zu Nepal.

All das ist in meinem Kopf bei der Ankunft im Kathmandu International Airport auf dem Weg zur Bright Future School in Naikap, dem Schulprpjekt des Freundeskreises Nepal in Münster.

Die Eingangshalle des Hauptstadtflughafens entspricht dem in einer abgelegenen Region ebenso wie die Abwicklung der Einreiseformalitäten ohne Computer von gelangweiltem Personal. Nach nicht nachvollziehbaren Kriterien drückt sich der ungeordnete Pulk durch die schmalen Durchgänge. Nur das Einkassieren der Visagebühr geht zügig vonstatten. Das Begrüßungskomitee der Schule allerdings übertrifft alle Erwartungen an ein farbenfrohes und heiteres Nepal. Geschmückte Mädchen in der roten Landestracht, die Jungen in Anzug und Schlips der Schulkleidung empfangen uns mit strahlenden Gesichtern. Ein Banner wird ausgerollt, und wir werden mit Blumengirlanden und gelben Tüchern umhängt und herzlich willkommen geheißen. Ein Hauch von malerischem Paradies am Fuße des Himalayas.

Ankunft in Kathmandu

Es ist heiß, und die Luft ist stickig. Der Schulbus wird uns nach Naikap bringen, ein Stadtviertel im Westen der Außenbezirke Kathmandus. Die Stimmung im Bus zusammen mit den Kindern ist fröhlich, und sie sind neugierig auf uns – wer weiß, was ihre Lehrer ihnen erzählt haben -und wir auf sie. Besonders die Fotoapparate mit der Möglichkeit sich sofort zu sehen haben es den Kindern angetan. Beim Blick aus dem Fenster aber tritt dies zurück, und es verflüchtigen sich die Illusionen der mitgebrachten Vorstellungen.

Kathmandu liegt unter einer Smogglocke in einem Kessel, aus dem Smog nicht entweichen kann, Smog von fossilen Brennstoffen, stinkenden PKW, LKWund unzähligen Mopeds. Vor den Wahlen hatten die „Maoisten“ nicht ohne Erfolg auf das Ergebnis der Wahl allen jungen Männern Mopeds geschenkt. Man sieht sie überall. Wie man hier leben kann, ohne an den Atemorganen zu erkranken, bleibt ein Rätsel – ein Cocktail aus Vitamin D und Gelbwurz soll uns stabil halten. Die ersten Bilder, die an uns vorbeiziehen, sind nur schwer zu ertragen. Dreck und Armut, chaotischer Verkehr und eine staubbelastete Hässlichkeit wohin man blickt. Auf den an Schlaglöchern reichen Straßen werden alle ständig durchgerüttelt und greifen nach Stangen und Polstern. Nur in der Nähe des Regierungsviertels ändert sich das – dafür schaut man auf Wachtürme und Soldaten mit Maschinengewehren auf Lafetten mitten in der Stadt. Ein sicheres Zeichen von mit Angst gepaarter Gewalt, bei den nach der Abschaffung des Königtums nun hier herrschenden sogenannten „Maoisten“.

Der Schulbus hält in Naikap, einem dorfähnlichen Stadtteil am Rande Kathmandus, ohne Straßen. Es sind Sand- und Steinwege in einer braun verbrannten und ausgedörrten Landschaft. Seit Monaten hat es hier nicht geregnet, und alle warten sehnsüchtig auf den Monsun. Wir klettern den Weg hinauf zum Schamanenzentrum, wo wir die nächsten Tage wohnen werden. Auch hier wieder eine so herzliche Begrüßung besonders durch Mohan Rai, den obersten Schamanen Nepals, die uns alles um uns herum vergessen lässt. Mohan Rai ist der Begründer und Direktor des „Shamanistic and Research Center“ und unterstützt das Schul-und Patenprojekt in Naikap

Mohan Raj

Der Direktor des Shamanistic und Research Centers MohanRaj

Das Haus ist einfach. Wir wohnen in schlicht ausgestatteten Zweibettkammern und richten uns ein. Hier muss man möglichst viel bei Tageslicht erledigen. Die „maoistische“ Regierung lässt nur vier Stunden Strom zu, und das jeweils in den einzelnen Stadtvierteln nacheinander. Man weiß nie genau, wann es soweit ist. Mal hat man Strom von 1 – 4 Uhr morgens, wenn alles schläft, mal tagsüber. Nächtliche Beleuchtung bleibt eine Überraschungsangelegenheit ohne Generator , dafür mit Kerzen und Petroleumlampen. Ein uns ungewohnter Anblick, diese Kerzen auf den Treppenstufen, wenn wir zum Dach hinaufsteigen, um den leichten Wind gegen die Hitze zu genießen, fast schon romantisch, wenn es nicht so elend wäre und die Stupidität einer Regierung bezeugen würde, die auf diese Weise keine Arbeitsplätze schaffen wird. Hier scheint man noch nicht einmal die Diskrepanz zwischen verantwortungsvollem Regieren und der gleichzeitigen Fortführung von Sabotage und Mangelwirtschaft zu verstehen noch gar den Mangel auflösen zu wollen, und es bleibt ein weiterer Niedergang des Landes zu befürchten.

In einem ersten Treffen werden wir über den Stand der Projekte des Freundeskreises Nepal informiert, über das Patenkindprogramm mit Schulstipendien und den Schulneubau. Eine beeindruckende Arbeit ist hier in den letzten Jahren geleistet worden.

eUnsere Ankunft hat sich herumgesprochen, und überall schallt uns ein herzliches Namasté entgegen, Hände werden zusammengelegt und das Gesicht uns zugewandt. Dieses Namaste wird uns die nächsten Tage begleiten, und es ist keine Floskel. Aufgeschlossenheit und Freude drücken sich hierin aus. So viel Strahlen, Unbeschwertheit und Freude bei den Kindern macht auch uns glücklich. Nur in den Gesichtern vieler Erwachsener zeigt sich die Not – auch wenn sie es eigentlich nicht zeigen wollen. Wir fahren in die Bright Future School, wo wir mit hundertfachem Namasté begleitet durch ein Spalier von Eltern, Kindern und Lehrern zum Versammglungsplatz der Schule geführt werden. Hier sitzen wir unter einem großen Sonnensegel, und verfolgen auf einer kleinen Bühne neben der Begrüßungsansprache des Schulleiters Daya Ram Thapa eine gekonnte Abfolge von Musik und Tanz, die uns stark beeindruckt. Hierin zeigt sich auch die Besonderheit dieser Schule, die bei allen Wettbewerben in Asien zu den Siegern gehört.

Viel Beifall, und dann folgen weitere Tanzdarbietungen. Wir werden auf die Bühne geholt, und alles endet im gemeinsamen Tanz. Erst jetzt merken wir, dass diese Feier fast 4 Stunden gedauert hat.

 In einem weiteren feierlichen Moment wird eine Schulpartnerschaft mit der Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorf, mit dem ausdrücklichen Ziel eines Lehrer- und Schüleraustausches, durch Unterschriften und Urkunden besiegelt. 

Unterschriften für die Schulpartnerschaft derBright Future School in Naikap/Kathmandu und der Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorfder- durch Margret Rössler und Dayaram Thapa

zwischen Bright Future School in Naikap, Kathmandu und der Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorf

Am nächsten Tag ist Sprechstunde. Mütter kommen mit ihren Kindern, um für diese eine Patenschaft für den Schulbesuch der Bright Future School zu erhalten. Interviews werden geführt, Fotos gemacht, und am Ende gibt es 12 neue Patenkinder, die ab der nächste Woche in diese Schule mit Ganztagsbetrieb und Schulspeisung gehen können. Sie dürfen nun mit anderen Kindern und Jugendlichen in diese Schule gehen, deren Eltern das Schulgeld selbst bezahlen können und für die Bildung und satt werden selbstverständlich ist. Verbunden damit laufen Bemühungen, Wohnungen für die Familie derPatenkinder zu finden. Sie kommen oft aus den Wellblechhütten neben ihrem Arbeitsplatz in der Ziegelfabrik. Nur so kann die Voraussetzung für eine gesunde und zukunftsorientierte Entwicklung möglich werden. Die Kinder sind die Zukunft des Landes, denn ohne Bildung gibt es keine Zukunft. Gekoppelt ist der Schulbesuch der Mädchen und Jungen mit der Teilnahme vieler Mütter an der Abendschule. Hier lernen sie Lesen und Schreiben, erschließen sich den Zugang zu Informationen. Es ist ein Stück Hilfe zu mehr Würde und Emanzipation der Frauen und wird auch so empfunden. 300 Mütter nehmen an dieser Abendschule teil. Wir gehen in die Familien der Patenkinder und prüfen, ob alles den Absprachen entspricht und das Geld, das über das Schulgeld hinaus für besondere Zwecke bezahlt wird wie Medikamente bei schweren Erkrankungen, auch so genutzt wird wie geplant.

Zurück von den Hausbesuchen, werden die Erfahrungen ausgetauscht, Berichte verfasst und die Aufgaben für den nächsten Tag verteilt. Die Ärztinnen berichten über ihre Krankenbesuche und ihre Sprechstunden, durchgeführt unter freiem Himmel und in Höfen.

Am nächsten Morgen ist Baubesprechung. Die Schule muss neu errichtet werden. Eine von den „Maoisten“ ohne Rücksicht auf die Schule verfügte neue Schnellstraße macht den bisherigen Schulweg lebensgefährlich und nimmt der Schule den Raum. Die geplante neue Schule rückt näher ans Viertel heran, das Land ist langfristig gepachtet, und besonders wichtig in dieser Gegend: sie soll erdbebensicher gebaut werden. Es gibt genug Fläche auch für angrenzende Sportanlagen. Alles sieht gut aus. Jetzt warten alle auf den Monsunbeginn, denn ohne Wasser – wie jetzt in der Dürre – kann nicht gebaut werden. Und noch eine Hürde ist da. Die „Maoisten“ wollen von allem 25% Steuern kassieren. Die Linie ist klar: keine Spenden mit Abzug , so wie auch kein Cent der Spenden in Verwaltungskosten geht.

Umzüge von zwei Familien stehen auf dem Programm. Der Besuch in den Familien der neuen Patenkinder hat teilweise erschreckende Wohnverhältnisse offenbart. Zimmer oder Ladenverschläge mit Rollgitter für 4 Persone ohne Tageslicht, Strom, Wasser und Toiletten – kaum zu glauben, wie man dort leben kann, kaum zu glauben wie die Familien es schaffen ihre Kinder zu ernähren und so sauber und adrett in die Welt zu schicken. Mit Hilfe des Schamanen gelingt es uns Zimmer anzumieten, die ein menschenwürdiges Wohnen erlauben. Dazu gibt es für den Start einen Grundeinkauf nach einer Liste für Grundnahrungsmittel für die nächsten Wochen. Eine Diskussion über den sogenannten „Tropfen auf den heißen Stein“ ist nicht zu verstehen. Auch nur eine Familie ins Leben zurückzuführen, einem Kind das Lernen zu ermöglichen, ist jede Anstrengung wert.

Ein letztes Bild bei unserem Abschied prägt sich ein. Es war uns nur am Rande aufgefallen, dass wir keine Ball spielenden Kinder gesehen haben. Ein Fußball und ein Netz mit anderen Bällen wird den Kindern am Morgen geschenkt, und als wir in den Minibus steigen, der uns zum Flughafen bringt, sehen wir eine Schar Jungen, die sich ein Feld mit Toren geschaffen haben, die so begeistert Fußball spielen, dass sie unsere Abfahrt nicht bemerken.