Der Weg in die Stille

Von Bergen nach Kirkenes und zurück an Bord der „Polarlys“ (Hurtigruten)

(Mai/Juni 2024)

„Die schönste Seereise der Welt“ – mit diesem selbstbewussten Slogan tauchen die Hurtigruten in der Werbung auf. Vor 130 Jahren begann die klassische Postschiffslinie entlang der norwegischen Küste von Bergen nach Kirkenes und zurück mit Stopps in 34 Häfen. Ein Mythos entstand und bei vielen der Wunsch, einmal dabei zu sein. Auch ich hatte diese Hurtigrutenfahrt immer irgendwo in einer Schublade meines Gedächtnisses. Bis ich am 28.Mai 2024 in Bergen an Bord der Polarlys ging und dieser lang gehegte Wunsch sich erfüllen sollte. Voller Informationen und Erwartungen wusste ich auch, dass nun vieles vom Wetter im Norden abhing, wo es Gegenden gibt, in denen alle Jahreszeiten an einem Tag erlebbar sein können. Und die Berichte von Sturm und Kälte, dem Erreichen des Nordkapps ohne Sicht bei dichtem Nebel, die Lofoten in strömendem Regen, die Unmöglichkeit bei hoher See in den berühmten Trollfjord zu fahren und…

Die Route

Bei grauem Himmel mit tiefhängenden dunklen Wolken ertönen um 20 Uhr die Signale zum Auslaufen. Und dann kurz nach Mitternacht und bei der Wetterlage völlig unerwartet, verwandelte sich innerhalb vo 20 Minuten der graue Himmel in ein flammendes Rot der untergehenden Sonne, die auch das Meer rot leuchten ließ. Was für ein Beginn dieser Reise und Lohn fürs langes an Deck bleiben.

‎⁨Bøvågen⁩, ⁨Vestland⁩, ⁨Norwegen⁩

12 Tage geht die Fahrt nun, nur unterbrochen von einigen Landgängen und Exkursionen, entlang dieser so stillen und ruhigen Küste mit Leuchttürmen, kleinen Häfen und noch kleineren Orten mit den bunten Hozhäusern. Ich sitze am Fenster oder bin an Deck und kann den Blick vo dieser Landschaft nicht lösen. Wann immer ich dieses emotionale Eingetauchtsein verlassen muss, habe ich den Eindruck etwas von dieser Landschaft zu verpassen , die von anderen vielleicht als gleichförmig empfunden werden kann.

Mitternachtssonne

Trollfjord

‎⁨Storøya⁩, ⁨Svolvær⁩, ⁨Lofoten⁩

Lofoten

Zauber von Licht und Schatten

Symphonie in Blau

Wohnen in Abgeschiedenheit

Abendstimmung

Letzter Abend an Bord

Die Bilder sind Momentaufnahmen der Landschaft, wechselnd von grün zu felsig karg, von hügelig zu steilen Klippen, hohen Bergen und bewegten Wolkenformationen. Wir gleiten vorbei an dieser Szenerie, mal in Gedanken , mal intensiv und präsent, mal ein Gang an Deck an die Luft und in die Sonne für ein paar Fotos….

Die Tage unter der Mitternachtssonne kann man wenig beschreiben, nur intensiv erleben, ebenso wie die rotstrahlenden Himmel und Meer verzaubernden Sonnenuntergänge.Das ist das wesentliche Erleben mit diesem Schiff dies-und jenseits des Polarkreises. 

Natürlich gibt es lebendige Highlights wie die Polartaufen, das Nordkap und verschiedene Exkursionen durch wunderschöne Landschaften, die wichtigen Städte und kurze Begegnungen mit Menschen auf dem Schiff und an Land.

Doch was bleibt ist das Erlebnis des „zu sich selbst Kommens“ in der Stille dieser vorbeiziehenden einzigartigen Natur und des unerwarteten Glücks, all dies bei schönem Wetter und ruhiger See erleben zu dürfen.

Veröffentlicht von

Dr.Mielke Burkhard

Dr.Burkhard Mielke Berlin ist meine Stadt – Geburtsort und seit Jahren wieder die Stadt, in der ich lebe. Geprägt hat mich am meisten mein Studium der Romanistik und des Sports an der Sporthochschule und Universität zu Köln. Begeistert hat mich jedoch meine Promotion zum Dr. phil., die mir ermöglichte, mit dem Thema „Tourismus oder Völkerverständigung? Die internationalen Begegnungen der Schulen“ eine Verbindung der Faszination des Reisens mit Begegnungen von damals jugendlichen Menschen, Kulturen und Lebensorten herzustellen. Als junger Lehrer waren es Schüler-Austauschfahrten mit Tunesien, als Schulleiter die Schulpartnerschaften mit Upstate New York, Beijing und Shanghai, als Präsident der Europäischen Schulleitungsvereinigung (ESHA) und Mitglied der Internationalen Schulleitungsorganisation (ICP) viele internationale Tagungen zur Bildung der Jugend an unterschiedlichsten Orten der Welt. Immer war es mein Bestreben, Leute mitzunehmen in diese Faszination des einen Augenblick lang Fremdens, des Austausches und der neuen Erfahrungen, die mir auf immer andere Weise sagen: Ja, das ist meine Welt.

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