August 2013
Wir fahren von Atlanta durch die Blue Ridge Mountains und als Teil davon durch die Smokie Mountains. Die Bezeichnung als smoky geht auf den natürlichen Nebel zurück Nebel, der in der Abendsonne aus der Ferne blau schimmert. Die Cherokee-Indianer gaben der Landschaft deswegen den Namen „Shalonage“ = „Ort des blauen Nebels“.

The Blue Ridge Mountains
Einen besseren Urlaubsanfang kann man sich kaum vorstellen, diese schöne, ruhige Berglandschaft, mit Flüssen, Seen, Wasserfällen, hohen Felsenplateaus von denen man die Landschaft unter sich sehen kann. Wir genießen diese Landschaft. Aber dann, da wir keinen festen Plan haben entscheiden wir nach einer Woche in den Bergen aus der relativen Abgeschiedenheit zum Mississippi zu fahren , um den berühmten Blues Highway , die Route 61 zu erleben: von Nashville über Memphis, Clarksdale, Tunica und Natchez nach New Orleans, der Geburtsstadt des klassischen Jazz, der Stadt der Synthese aus Street Bands, Cotton Field work songs, Brass Bands, Soul , Gospel und Ragtime.
Und dies ohne zu ahnen, welche Überraschung dort auf uns wartet..

Es ist eine zunehmend berauschende Fahrt mit Musik in der Luft, die sich von Ort zu Ort flussaufwärts verändert, von den Gesängen in den Cotton Fields vom Blues zum Rock’n Roll. Und immer begleitet von der passenden Landschaft des mächtigen Mississippi durch das Mississippi Delta mit Städten und Ortschaften mit den klingenden Namen der Wiege der amerikanischen Musik und für diese Route: Route 61, Blues Highway, Delta Blues Road, Mississippi Blues Trail…
Es begann in den Baumwollplantagen in Natchez auf denen Sklaven unter härtesten Bedingungen für die weißen Plantagenbesitzer bei großer Hitze die Ernte einbrachten und schwere Baumwollsäcke schleppten. Rufe und Antworten, „Work Songs“, “ Field Hollers“ und Spirituals , um die Last der Arbeit erträglicher zu machen und den Tag zu überstehen. Im Kontrast dazu die prächtigen Anti Bellum Villen der Plantagenbesitzer als Ergebnis der inhumanen Ausbeutung der Sklaven, die sie auf einem der größten Sklavenmärkte “ Forks of the Road“ kauften.
Daraus entwickelte sich der Blues der sich nach dem Krieg und der Sklavenenbefreiung entlang der Route 61 nach Norden ausbreitete. Dabei veränderte sich die von Schmerz und Erschöpfung erzählten Gesänge langsam in Gesänge zum Ausdruck von Sehnsucht und Mut später dann Blues genannt. Zuerst nach Clarksville der Wiege des Blues mit dem berühmten Ground Zero Blues Club.

Ground Zero Blues Club in Clarksdale

Die Gitarren wurden elektrisch als der Blues in Memphis ankam und sich weiter entwickelte in Richtung Soul und Rock` ’n Roll, jeden Abend in der Beale Street zu hören. Es war die Zeit für Elvis Presley in Memphis und Nashville, wo die Entwicklung sich später in Country Music veränderte.

Wir fahren die Strecke von Nord nach Süd mit zahlreichen Stopps in den erwähnten Städten und kleineren Orten wie Tunica, bis wir nach langen Nächten in Bars


Tunica – Gateway to the Blues

New Orleans French Quarter

St. Louis Cathedral
Machmal gibt es Träume, die nie geträumt wurden und dann durch ein Ereignis völlig überraschend und unerwartet Realität werden. Wir sind gerade in New Orleans angekommen, haben den ersten Abend im French Quader verbracht und gehen am nächsten Morgen in Richtung der St. Louis Cathedral. Die Türen der Kathedrale öffnen sich. Ein Bestattungswagen fährt vor und ein Sarg wird eingeladen. Eine große Menschenmenge tritt ins Freie und folgt demWagen lachend, tanzend, singend. Und dann kommt der Moment, der mich erfasst und weit zurück führt bis in meine Kindheit. Eine Band folgt dem Sarg und beginnt zu spielen und ich traue meinen Ohren nicht, aber es ist wahr :“New Orleans Function“ von Louis Armstrong.

Wir reihen uns in den Zug ein und marschieren mit bis kurz vorm Friedhof und biegen dann nach rechts ab, weil wir bei der Beerdigung einer berühmten Politikerin der Stadt, der Kongressabgeordneten Lindy Blogs nichts zu suchen haben. Wie ein Blitz kam meine Erinnerung an eine Zeit einige Jahre nach Kriegsende zu mir zurück. Eine Erinnerung daran, warum ich bis heute von dieser Art Jazz begeistert bin. Die damaligen Wohnverhältnisse waren eng, und ich teilte ein Zimmer zusammen mit meinem neun Jahre älteren Bruder Klaus. Ich weiß nicht, wie es für ihn war, aber für mich war es ein Privileg. Ich konnte abends länger lesen, als ich eigentlich schon schlafen sollte und ich hörte seine Musik und eines dieser Musikstücke, diese New Orleans Function, hat mich von Anfang an ergriffen und ich hab es immer wieder gehört.

Beerdigungsmarsch
Wir gehen weiter und hörten in der Ferne schon die Musik eines Ereignisses, von dem wir – gerade erst in New Orleans angekommen – erfahren hatten. – das jährlich zu seinem Geburtstag stattfindende „Satchmo Summerfest “ – Dedicated to the Life Legacy and Music of Louis Satchmo Armstrong, New this year: Three Full Days. Als wir dort ankommen ist das Fest im vollen Gange und wir genießen einige Zeit die Atmosphäre und die Musik und freuen uns auf die nächsten zwei Tage in New Orleans. New Orleans und besonders im French Quarter mit Musik und Tanz.

Das Festival wurde 2001 ins Leben gerufen, um an Satchmos 100. Geburtstag am 4. August 1901 zu erinnern.

Den Abend genießen wir auf einem Mississippi Raddampfer , natürlich mit einer Jazzband an Deck

Abend auf dem Mississippi

Die nächsten zwei Tagen tauchen wir ein und erleben wie eine Stadt das ganze Leben mit Musik umfängt.

Überall in der Stadt sorgen einzelne kleine Gruppen für gute Stimmung und auf dem Festival begeistern uns die berühmten Sänger und Bands


Jazzsängerin Meschiya Lake

Wycliffe Gordon , Posauninst, Sänger und Komponist, einer der Headliner des Festivals 2013 -berühmt für seine Armstrong-Interpretationen
Es ist eine tolle Zeit mit der Musik des Festival, dem bunten Treiben mit langen Nächten in Music Bars im Frech Quarter und besonders in der Basin Street“ where all the Black and White People meet“ (Text: Basin Street Blues)
Irgendwann aber müssen wir weiter fahren entlang der Strände am Golf von Mexico, einen Besuch der Manatees an Floridas Küste zurück nach Georgia. Ein paar Tage mit Freunden in einem Haus in St.Simons zum Erholen und Erzählen bis zum Abflug in Atlanta. Noch immer klingt der Blues in uns nach und zaubert immer wieder ein glückliches Lächeln in unsere Mienen.
Nachtrag
In New Orleans musste ich als „für viele Jahre Kölner“ nach dem ersten Erstaunen auf der Werbetafel eines Microbrewery um eine Korrektur bitten, was dankbar angenommen wurde.

Kölsch


