Irgendwo in Nepal

 Hoffnung im Chaos nach der Abschaffung der Monarchie 2009eine Eliteschule öffnet sich für die armen Kinder der Region

Bright Future – in dem Namen dieser Schule fokussiert sich Hoffnung gegen Fatalismus. Nepal, Zielort früher Träume ist nun erreicht. Erinnerungen kehren bei mir wie Einsprengsel zurück beim Landeanflug auf Kathmandu: James Hiltons, „Lost Horizon“ oder Lobsang Rampas „ Das dritte Auge“, Shangri – La, das unbekannte Refugium, Mustang ,das geheimnisumwobenes Königreich Lo, das sich lange jedem Tourismus widersetzte.

Dazu Tiziano Terzanis erst idealisierende und dann, an der Realität überprüft, skeptischer werdende Berichte im „Spiegel“ zu Nepal.

All das ist in meinem Kopf bei der Ankunft im Kathmandu International Airport. Hier beginnt nun die Bildungsreise der Schulleitungsvereinigung NRW, angeregt durch unseren Reiseleiter Narayan und den Freundeskreis Nepal aus Münster.

Die Eingangshalle des Hauptstadtflughafens entspricht dem in einer abgelegenen Region ebenso wie die Abwicklung der Einreiseformalitäten ohne Computer von gelangweiltem Personal. Nach nicht nachvollziehbaren Kriterien drückt sich der ungeordnete Pulk durch die schmalen Durchgänge. Nur das Einkassieren der Visagebühr geht zügig vonstatten. Das Begrüßungskomitee der Schule allerdings übertrifft alle Erwartungen an ein farbenfrohes und heiteres Nepal. Geschmückte Mädchen in der roten Landestracht, die Jungen in Anzug und Schlips der Schulkleidung empfangen uns mit strahlenden Gesichtern. Ein Banner wird ausgerollt, und wir werden mit Blumengirlanden und gelben Tüchern umhängt und herzlich willkommen geheißen. Ein Hauch von malerischem Paradies am Fuße des Himalayas.

Es ist heiß, und die Luft ist stickig. Der Schulbus wird uns nach Naikap bringen, ein Stadtviertel im Westen der Außenbezirke Kathmandus. Die Stimmung im Bus zusammen mit den Kindern ist fröhlich, und sie sind neugierig auf uns – wer weiß, was ihre Lehrer ihnen erzählt haben -und wir auf sie. Besonders die Fotoapparate mit der Möglichkeit sich sofort zu sehen haben es den Kindern angetan. Beim Blick aus dem Fenster aber tritt dies zurück, und es verflüchtigen sich die Illusionen der mitgebrachten Vorstellungen.

Kathmandu liegt unter einer Smogglocke in einem Kessel, aus dem Smog nicht entweichen kann, Smog von fossilen Brennstoffen, stinkenden PKW, LKWund unzähligen Mopeds. Vor den Wahlen hatten die „Maoisten“ nicht ohne Erfolg auf das Ergebnis der Wahl allen jungen Männern Mopeds geschenkt. Man sieht sie überall. Wie man hier leben kann, ohne an den Atemorganen zu erkranken, bleibt ein Rätsel – ein Cocktail aus Vitamin D und Gelbwurz soll uns stabil halten. Die ersten Bilder, die an uns vorbeiziehen, sind nur schwer zu ertragen. Dreck und Armut, chaotischer Verkehr und eine staubbelastete Hässlichkeit wohin man blickt. Auf den an Schlaglöchern reichen Straßen werden alle ständig durchgerüttelt und greifen nach Stangen und Polstern. Nur in der Nähe des Regierungsviertels ändert sich das – dafür schaut man auf Wachtürme und Soldaten mit Maschinengewehren auf Lafetten mitten in der Stadt. Ein sicheres Zeichen von mit Angst gepaarter Gewalt, bei den nach der Abschaffung des Königtums nun hier herrschenden sogenannten „Maoisten“.

Der Schulbus hält in Naikap, einem dorfähnlichen Stadtteil am Rande Kathmandus, ohne Straßen. Es sind Sand- und Steinwege in einer braun verbrannten und ausgedörrten Landschaft. Seit Monaten hat es hier nicht geregnet, und alle warten sehnsüchtig auf den Monsun. Wir klettern den Weg hinauf zum Schamanenzentrum, wo wir die nächsten Tage wohnen werden. Auch hier wieder eine so herzliche Begrüßung besonders durch Mohan Rai, den obersten Schamanen Nepals, die uns alles um uns herum vergessen lässt. Mohan Rai ist der Begründer und Direktor des „Shamanistic and Research Center“ und unterstützt das Schul-und Patenprojekt in Naikap

Mohan Raj

Das Haus ist einfach. Wir wohnen in schlicht ausgestatteten Zweibettkammern und richten uns ein. Hier muss man möglichst viel bei Tageslicht erledigen. Die „maoistische“ Regierung lässt nur vier Stunden Strom zu, und das jeweils in den einzelnen Stadtvierteln nacheinander. Man weiß nie genau wann es soweit ist. Mal hat man Strom von 1 – 4 Uhr morgens, wenn alles schläft, mal tagsüber. Nächtliche Beleuchtung bleibt eine Überraschungsangelegenheit ohne Generator , dafür mit Kerzen und Petroleumlampen. Ein uns ungewohnter Anblick, diese Kerzen auf den Treppenstufen, wenn wir zum Dach hinaufsteigen, um den leichten Wind gegen die Hitze zu genießen, fast schon romantisch, wenn es nicht so elend wäre und die Stupidität einer Regierung bezeugen würde, die auf diese Weise keine Arbeitsplätze schaffen wird . Hier scheint man noch nicht einmal die Diskrepanz zwischen verantwortungsvollem Regieren und der gleichzeitigen Fortführung von Sabotage und Mangelwirtschaft zu verstehen noch gar den Mangel auflösen zu wollen, und es bleibt ein weiterer Niedergang des Landes zu befürchten.

In einem ersten Treffen werden wir über den Stand der Projekte des Freundeskreises Nepal informiert, über das Patenkindprogramm mit Schulstipendien und den Schulneubau. Eine beeindruckende Arbeit ist hier in den letzten Jahren geleistet worden.

Unsere Ankunft hat sich herumgesprochen, und überall schallt uns ein herzliches Namaste entgegen, Hände werden zusammengelegt und das Gesicht uns zugewandt. Dieses Namaste wird uns die nächsten Tage begleiten, und es ist keine Floskel. Aufgeschlossenheit und Freude drücken sich hierin aus. So viel Strahlen, Unbeschwertheit und Freude bei den Kindern macht auch uns glücklich. Nur in den Gesichtern vieler Erwachsener zeigt sich die Not – auch wenn sie es eigentlich nicht zeigen wollen. Wir fahren in die Bright Future School, wo wir mit hundertfachem Namastei begleitet durch ein Spalier von Eltern, Kindern und Lehrern zum Versammglungsplatz der Schule geführt werden. Hier sitzen wir unter einem großen Sonnensegel, und verfolgen auf einer kleinen Bühne neben der Begrüßungsansprache des Schulleiters Daya Ram Thapa eine gekonnte Abfolge von Musik und Tanz, die uns stark beeindruckt. Hierin zeigt sich auch die Besonderheit dieser Schule, die bei allen Wettbewerben in Asien zu den Siegern gehört.

Viel Beifall, und dann folgen weitere Tanzdarbietungen. Wir werden auf die Bühne geholt, und alles endet im gemeinsamen Tanz. Erst jetzt merken wir, dass diese Feier fast 4 Stunden gedauert hat.

 In einem weiteren feierlichen Moment wird eine Schulpartnerschaft mit der Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorf, mit dem ausdrücklichen Ziel eines Lehrer- und Schüleraustausches, durch Unterschriften und Urkunden besiegelt. 

Unterschriften für die Schulpartnerschaft

Am nächsten Tag ist Sprechstunde. Mütter kommen mit ihren Kindern, um für diese eine Patenschaft für den Schulbesuch der Bright Future School zu erhalten. Interviews werden geführt, Fotos gemacht, und am Ende gibt es 12 neue Patenkinder, die ab der nächste Woche in diese Schule mit Ganztagsbetrieb und Schulspeisung gehen können. Sie dürfen nun mit anderen Kindern und Jugendlichen in diese Schule gehen, deren Eltern das Schulgeld selbst bezahlen können und für die Bildung und satt werden selbstverständlich ist. Verbunden damit laufen Bemühungen, Wohnungen für die Familie derPatenkinder zu finden. Sie kommen oft aus den Wellblechhütten neben ihrem Arbeitsplatz in der Ziegelfabrik. Nur so kann die Voraussetzung für eine gesunde und zukunftsorientierte Entwicklung möglich werden. Die Kinder sind die Zukunft des Landes, denn ohne Bildung gibt es keine Zukunft. Gekoppelt ist der Schulbesuch der Mädchen und Jungen mit der Teilnahme der Mütter an der Abendschule. Hier lernen sie Lesen und Schreiben, erschließen sich den Zugang zu Informationen. Es ist ein Stück Hilfe zu mehr Würde und Emanzipation der Frauen und wird auch so empfunden. 300 Mütter nehmen an dieser Abendschule teil. Wir gehen in die Familien der Patenkinder und prüfen, ob alles den Absprachen entspricht und das Geld, das über das Schulgeld hinaus für besondere Zwecke bezahlt wird wie Medikamente bei schweren Erkrankungen, auch so genutzt wird wie geplant.

Zurück von den Hausbesuchen, werden die Erfahrungen ausgetauscht, Berichte verfasst und die Aufgaben für den nächsten Tag verteilt. Die Ärztinnen berichten über ihre Krankenbesuche und ihre Sprechstunden, durchgeführt unter freiem Himmel und in Höfen.

Am nächsten Morgen ist Baubesprechung. Die Schule muss neu errichtet werden. Eine von den „Maoisten“ ohne Rücksicht auf die Schule verfügte neue Schnellstraße macht den bisherigen Schulweg lebensgefährlich und nimmt der Schule den Raum. Die geplante neue Schule rückt näher ans Viertel heran, das Land ist langfristig gepachtet und besonders wichtig in dieser Gegend: sie soll erdbebensicher gebaut werden. Es gibt genug Fläche auch für angrenzende Sportanlagen. Alles sieht gut aus. Jetzt warten alle auf den Monsunbeginn, denn ohne Wasser – wie jetzt in der Dürre – kann nicht gebaut werden. Und noch eine Hürde ist da. Die „Maoisten“ wollen von allem 25% Steuern kassieren. Die Linie ist klar: keine Spenden mit Abzug , so wie auch kein Cent der Spenden in Verwaltungskosten geht.

Umzüge von zwei Familien stehen auf dem Programm. Der Besuch in den Familien der neuen Patenkinder hat teilweise erschreckende Wohnverhältnisse offenbart. Zimmer oder Ladenverschläge mit Rollgitter für 4 Persone ohne Tageslicht, Strom, Wasser und Toiletten – kaum zu glauben wie man dort leben kann, kaum zu glauben wie die Familien es schaffen ihre Kinder zu ernähren und so sauber und adrett in die Welt zu schicken. Mit Hilfe des Schamanen gelingt es uns Zimmer anzumieten, die ein menschenwürdiges Wohnen erlauben Dazu gibt es für den Start einen Grundeinkauf nach einer Liste für Grundnahrungsmittel für die nächsten Wochen. Eine Diskussion über den sogenannten „Tropfen auf den heißen Stein“ ist nicht zu verstehen. Auch nur eine Familie ins Leben zurückzuführen, einem Kind das Lernen zu ermöglichen, ist jede Anstrengung wert.

Ein letztes Bild bei unserem Abschied prägt sich ein. Es war uns nur am Rande aufgefallen, dass wir keine Ball spielenden Kinder gesehen haben. Ein Fußball und ein Netz mit anderen Bällen wird den Kindern am Morgen geschenkt, und als wir in den Minibus steigen, der uns zum Flughafen bringt, sehen wir eine Schar Jungen, die sich ein Feld mit Toren geschaffen haben, die so begeistert Fußball spielen, dass sie unsere Abfahrt nicht bemerken.

Dies ist Dein Frieden

Prag 1968

Vier Jahre nach der Zerschlagung des „Prager Frühlings“ kam ich 1972 mit einer Schülergruppe nach Prag, und die Bilder der Panzer in Prag und die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach als Protest gegen das Moskauer Diktat waren noch unvergessen. Der „Prager Frühling“ 1968 – eine Hoffnung, die allzu schnell dem Imperialismus der Sowjetunion zum Opfer fiel. Ein weiteres Mal nach Berlin, Warschau, Sofia und Budapest.

Die Sowjetunion löste sich auf – Russlands Politik änderte sich mit der Machtübernahme Putins nicht. Die Liste der Militärinterventionen ist länger geworden, und die Brutalität führt damals und heute bis zur Vernichtung ganzer Städte und Länder: Georgien, Armenien,Aleppo, Libyen, Krim, Ukraine…?

Plakate an der Prager Universität

Text : Dies ist Dein Frieden
Text: Das ist der Imperialismus

Heute rollen wieder einmal Panzer in eine europäische Hauptstadt ein, um die Sehnsucht der Menschen nach einem würdigen Leben in Freiheit und Demokratie mit Panzern niederzuwalzen. Die Steigerung der imperialistischen sowjetischen Besetzungen der Sowjetunion innerhalb des Warschauer Paktes bis hin zu Putins Revisionswahn ist die kalte, völkerrechtswidrige, mörderische Kriegsführung, sind Kriegsverbrechen, die vorsätzlich Zivilisten tötet und humanitäre Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten angreift, Lebensmittellager und Wasserleitungen zerstört, um die Menschen zu zermürben.

Text : Die beste Methode der Verwendung

1972 hatte sich das Leben in Prag zwangsläufig normalisiert, unter der Firnis die Trauer und Hoffnungslosigkeit bedeckend.

Damals im „kalten Krieg“ wie heute in Zeiten der Globalisierung hatte der Rest der Welt der sowjetischen Aggression wenig entgegenzusetzen. Es war diese Stimmung, die immer noch überall zu spüren war.

Doch in allen Krisen haben Menschen der sich nach und nach einschleichenden Resignation Widerstand entgegengestellt. Ein Zeichen hierfür sah ich, als ich in meinem Hotelzimmer beim Einräumen meiner Sachen die Schranktür öffnete. Groß eingeritzt in die Innenseite der Schranktür stand 3:2 ohne weiteren Kommentar. Mein Gedächtnis brauchte nicht lange, um die Bedeutung zu verstehen. Es war ein Ausdruck der Freude und Revanche. Mit 3:2 besiegte das Team der Tschechoslowakei die Sowjetunion und wurde 1972 Eishockeyweltmeister durch diesen Triumph gegen die Unterdrücker. Ein verstecktes Zeichen und ein Schritt zu wieder aufkommender Hoffnung und Selbstbewußtseins.Vor allem wegen der großen Bedeutung dieser Sportart in beiden Ländern.

Prag war voller Touristen und konnte in seiner Schönheit wieder besucht werden. Die Schäden der Besetzung waren weitestgehend beseitigt, die Infrastruktur, auch die touristische, funktionierte. Meine Warnungen über die Gefahr Geld schwarz umzutauschen wurden aufgenommen. Was ich nicht wußte, die Busfahrer beider Länder hatten den Umtausch des Geldes, um die offizielle grosse Spanne zu umgehen, und den Export des begehrten Krimsektes untereinander organisiert. Und trotzdem blieben ein gewisses Unbehagen und latente Angst wegen der ständigen Überwachung. Das hatte schon beim Grenzübergang begonnen mit penibler Passkontrolle, Durchsuchung des Busses. Schlimm war, dass einigen Schülern die Haare abgeschnitten wurden, da die langen Haare einiger nicht mit ihren Passbildern übereinstimmte. Eine Schikane und bewusste Demütigung der ja so dekadenten Westler. Schlimm auch besonders deshalb, weil sie ihrer „langen Haare“ wegen schon zu Hause oft Druck und Diskussionen ausgesetzt waren und sich davon nicht haben beeinflussen lassen. Hier, der kalten Macht ausgeliefert, half kein Protest gegen diese Schikane, weil im Falle der Weigerung die Einreise verhindert wurde. Als begleitender Lehrer war ich nicht in der Lage, ihnen diese Erfahrung zu ersparen. Ein Lehrstück über staatliche Willkür war es allemal, besser als jeder Unterricht dies hätte vermitteln können

Strahlendes Wetter in dieser wunderschönen Stadt ließ uns die Tage dennoch genießen. Auf der Karlsbrücke über die Moldau mit dem Blick auf die Prager Burg kam dann die politische Realität für mich zurück. Ein älterer Herr hatte unsere Gruppe beobachtet, sprach mich an und fragte, ob ich etwas Zeit hätte, um miteinander zu sprechen. Er habe 1968 an der Universität Poster und Handzettel gesammelt und bat mich, diese mit in den Westen zu nehmen als Dokumentation dieser Zeit. Wir trafen uns abends bei Luka zu Hause und verbrachten einen schönen und spannenden Abend. Zum Abschied gab er mir eine Tüte mit den Dokumenten, und wir umarmten uns lange, wissend um die geringe Wahrscheinlichkeit eines Wiedersehens.


Lukà hatte seine Form des Widerstandes gefunden und für sich zu einem Abschluss gebracht.

Mir wurde wohl durch die Euphorie dieser Begegnung erst kurz vor der Grenze klar, welches Risiko ich eingegangen war. Kurz vor der Grenze mussten doch, trotz aller Warnungen, einige der Gruppe austreten – Folge zu vieler Flaschen Pilsener Urquells vor der Rückfahrt. Damit war klar, dass unser Bus besonders genau durchsucht werden würde. Man suchte immer sogenannte Übertritte Einheimischer in den Westen zu verhindern.

Ich versteckte alleDokumente unter Pullover und Mantel um den Körpermitte verteilt und hatte Glück. Wir mußten aussteigen, und der Bus wurde gründlichst gefilzt, nicht aber wir. Nur langsam beruhigte sich mein Puls und niemand hatte etwas von meiner Nervosität bemerkt.

Damals konnte ich die Zeitdokumente nur herumreichen und zeigen. Anläßlich der Kriegsverbrechen in der Ukraine und um die Kontinuität der sowjetisch-russischen imperialistischen Angriffe auf Freiheit und Demokratie zu dokumentieren, sowie als Aufruf, sich nicht einer trügerischen Ruhe hinzugeben, zeige ich sie hier an dieser Stelle – als Erinnerung und Mahnung

Galerie „Prager Frühling 1968 „

In der Galerie sind die Aushänge an der Universität, Zeitungsausrisse, Flugblätter und Plakate, die Luka mir 1972 anvertraut hat. Sie sollten in den Westen gelangen und nicht vergessen werden.

(Mit Google Übersetzer Fotofunktion können die Texte übersetzt werden)

Palau

2015 – eine Insel voller Wunder

Inselrepublik in Mikronesien im Westen des Pazifiks

Absolute Stille. Nur das Geräusch der in die nachtdunkle See eintauchenden Paddel ist zu hören. Und plötzlich leuchtet das Wasser. Bei ruhiger See und schwachem Mondlicht erleben wir dieses Naturwunder. Bei Berührung im Wasser leuchtet das Plankton und etwas tiefer im Wasser sieht man andere ebenfalls leuchtende kleinste Lebewesen. Bei jedem Paddelschlag kommt das Leuchten wieder. Wir sind in Palau auf Ngellil Nature Island, in einem kleinen Resort, welches nur mit dem Boot zu erreichen ist. Saburo Ishige, der japanische Besitzer der Insel, hatte uns von diesem Naturphänomen erzählt, und dann, an einem Abend nach Einbruch der Dunkelheit, haben wir Glück. Die Bedingungen stimmen, und er holt uns zum Strand. Wir besteigen ein Kanu und paddeln hinter ihm in die Nacht hinein. Irgendwo zwischen den eng beieinander liegenden „Rock Islands“, grüne bewaldete Erhebungen aus Kalkstein, halten wir an und können nicht oft genug die Paddel vorsichtig ins Wasser gleiten lassen, um das Meer zum Leuchten zu bringen

Saburo bindet unser Kanu an seins, paddelt langsam zurück, und wir können einfach nur im Kajak sitzen und das Schauspiel genießen.

Leuchtendes Plankton

Von Taiwan aus sind wir nach einem Familienbesuch weiter nach Palau in Mikronesien geflogen. Eine kleine Republik, die nach Besatzungen durch Spanien, Deutschland und Japan, dann als Treuhandgebiet den USA zugeschlagen, endlich 1994 unabhängig wurde. Zuvor hatte es den von den USA gewünschten Beitritt zu den Föderierten Staaten von Mikronesien verweigert. Für eine Woche hatten wir dieses kleine, fernab liegende und nur mit Boot zu erreichende Ngellil Nature Island Resort gebucht.

Bevor wir in die Abgeschiedenheit der Rock Islands eintauchen, haben wir ein paar Tage, um Palau kennenzulernen und einen Eindruck von den Menschen, den Lebensbedingungen und den Sehenswürdigkeiten zu gewinnen. Mit einem Mietwagen kommen wir zuerst zu den Versammlungshäusern (Abeis), Langhäusern für die Männer, aus deren bunter Bemalung sichtbar wird, dass die Bewohner früher im Matriarchat lebten, von dem sich noch bis heute Teile erhalten haben. Etwas weiter entfernt von unserem Domizil besichtigen wir die beeindruckende Anlage von Ngerchelong, in welcher große schwarze Monolithen mit zum Teil verwitterten Gesichtern über das Gelände verteilt sind. Woher sie kommen ist bis heute unbekannt. Der Sage folgend wurden diese von den Göttern tief im Meer in totaler Finsternis aus den Felsen geschnitten und auf die Insel gebracht, um einen Versammlungsplatz zu bauen. Bei der Arbeit wurden sie durch den Schöpfer des Sonnenlichtes überrascht und gaben den Bau auf, da sie nur im Dunkeln arbeiten können.

In der Abendsonne draußen in einem Restaurant zu sitzen mit Blick auf die grünen Rocks im tiefblauen Wasser, wäre allein schon ein Grund hierher zu fahren und die weißen Strände und die einmalige Unterwasserwelt zu bewundern.

Doch was wir am nächsten Tag erleben, ist ein weiteres zauberhaftes Naturwunder : Die Quallenseen, die in den Rock Islands liegen.

Es sind Seen, die zum Wasseraustausch in Verbindung mit dem Meer stehen. Die Risse im Gestein sind so fein, dass keine anderen Tiere vom Meer hindurch in die Seen gelangen können. Deswegen gibt es hier nur endemische Lebewesen.

Einer dieser Seen ist für Besucher zugänglich, der Jellyfish Lake.

Wir wandern dorthin, um in diesem See zu schnorcheln. Etwas ungläubig, ob wir der Zusage trauen können, dass diese Jellyfische nicht doch bei Berührung brennen, tauchen wir in eine Wunderwelt inmitten von Tausenden von orangefarbenen Quallen, durch die wir vorsichtig hindurchschwimmen, um sie nicht zu verletzen. Von allen Seiten sind wir umgeben und in Kontakt mit den Quallen, die dazu im Gegenlicht der Sonne noch besonders leuchten.

Ein unbeschreibbares Gefühl, sanft unbeschadet mit diesen sonst so unangenehm assoziierten Tieren zu schwimmen. Das Geheimnis ist, dass diese Quallen seit ewigen Zeiten hier leben ohne natürliche Feinde, ausgenommen später eingeschleppte Seeanemonen. Ihre Tentakeln haben sich zurückgebildet und ihr Gift reicht nur für ihre Hauptnahrungsquelle, kleine Ruderflußkrebse. Und weiter geht es danach zum nächsten Naturwunder, von den Einheimischen „The Milky Way “ genannt, eine Bucht, die nicht am Grund aus Sand oder Fels besteht, sondern aus Kalksteinschlamm. Man taucht hinunter und reibt sich den ganzen Körper mit dem kreidehaltigem Schlamm ein, legt sich zum Trocknen in die Sonne und wartet auf die versprochene Verjüngung der Haut, die allerdings lange auf sich warten läßt

Am nächstem Morgen sitzen wir dann in einem Boot und fahren in etwas mehr als einer halben Stunde bei Flut nach Ngellil. Bei Ebbe hätte es fast zwei Stunden gedauert.

Ngellil Nature Island in den Rock Islands – Unesco Kulturerbe der Menschheit

Wir laufen in eine kleine Bucht ein und waten durch das flache Wasser an Land in ein wildes Paradies. Der Besitzer der Insel und sein Koch begrüßen uns höflich und wir beziehen unser Zimmer mit Blick aufs Meer und zur anderen Seite auf die tropische Vegetation des Regenwaldes. Alles ist aus natürlichen lokalen Materialien, dies ist das Prinzip der Anlage. Erst da erfahren wir, dass wir die einzigen Gäste für die ganze Zeit unseres Aufenthaltes sind. Nur einmal kommt ein Boot mit einem Brautpaar für romantische Hochzeitsfotos kurz hierhin.

Wir schwimmen in der kleinen Bucht, bewundern blaue Seesterne, dösen unter Palmen in Hängematten. erkunden die nähere Umgebung. Gegen Abend hören wir Flötenklänge, ein Ritual, das sich jeden Abend wiederholt. Saburo Ishige spielt Flöte und danach ist es Zeit für das Abendessen. Ein Feuer lodert und das Essen wird uns auf Bananenblättern serviert. Alles ist frisch aus dem Meer, die Beilagen auf der Insel angepflanzt oder im Regenwald geerntet. Daneben viele kleine Leckerbissen und Gemüse, deren einheimische Namen wir uns aber nicht merken können. Am nächsten Tag wandern wir mit Saburo Ishige in den Dschungel zu einem besonderen Baum, den Power Baum, aus dem er persönlich seine Kraft bezieht, indem er ihn für einen kurzen meditativen Moment fest umarmt. Danach zeigt und erntet er Pflanzen und Obst, die für uns in den nächsten Tagen zubereitet werden. Immer auf einem offenen Feuer in dunkler tropischen Nacht unter einem traumhaften Sternenhimmel. Dazu das Knistern der Flammen und die nächtlichen Geräusche des Dschungels. Über uns umkreisen die Satelliten und die Raumstation die Erde. So verbringen wir die Abende zu Viert.

Und noch einmal geht es am nächsten Tag in den Dschungel zu einer weiteren Sehenswürdigkeit. Die Insel hat auch den Beinamen Stonemoney Island. Wir wandern durch den Dschungel, und dann, in einer Lichtung sehen wir den riesigen Stein mit einem Loch in der Mitte: das berühmte Steingeld dieser Region.

Stone Money auf Palau

Hier wurde es produziert und dann übers Meer auf abenteuerlichen Fahrten nach Yap gebracht, eine der Inseln Mikronesiens – 452 km Luftlinie entfernt. Bis heute kann man sie dort sehen, und sie haben immer noch ihren Wert als Zahlungsmittel. Entscheidend für den Wert ist aber nicht die Größe, sondern es sind die zu überwindenden Gefahren beim Transport über das Meer mit Kajaks. Hier stehen wir vor einem zurückgebliebenen Stone money.

Viel zu schnell vergeht die Zeit. Bevor wir auf die Hauptinsel zum Rückflug kommen, erleben wir die einmalig schöne Unterwasserwelt. Wir tauchen in dieses Farbenspiel der Korallen und Fische ein – zuerst an einem Riff mit blauen Korallen. Ein zweiter Stopp am Beginn eines Channels. Wir gleiten mit der Strömung bis fast zum Ende des Kanal, wo unser Boot auf uns wartet. Es ist nicht einfach, dann aus der Strömung seitwärts hinauszuschwimmen. Palau ist ein unvergleichliches Unterwasserparadies, erstes Haischutzgebiet der Welt und seit 1992 auf der World Heritage Liste mit den Rock Islands Southern Lagoon. Einen Teil davon so intensiv zu erleben bleibt unvergesslich. Schwerer konnte uns der Abschied nicht gemacht werden als mit dem Eintauchen und Treibenlassen in dieser Korallenwunderwelt mit Meerestieren in allen Farben und Formen.

(Fotos B.Mielke und Touristen Information Palau)

The Art of Traveling Differently

The Art of Traveling Differently

Asia 1991 – via Singapore, Hong Kong, Macao and Bangkok to Ho Chi Minh City – a fast track in three weeks

They recognize themselves by whatever means. They are unadjusted globetrotters, travelers who get on a plane and, after landing, see what’s going on and what they can do. Shortly after being told to unbuckle from the main cabin, they find each other and start exchanging information about places where there are no tourists, how to get there, stay cheap, eat exotic food and discover pristine beaches and remote cultural sites. All this happens with a natural and informal contact with the people of the country, from which again, new tips for further adventures arise. 

 Now I’m sitting next to my friend Juergen, one of these nomads (not immediately recognizable as such in civilian life) on the plane to Singapore, and I’m lucky enough to experience this kind of travel; at first, still tense, then enjoying it more and more. Our arrival and departure point were thus fixed – everything else resulted from a mixture of desires and opportunities and leads in the end to an unexpected highlight. 

Asia for me, has been a long-cherished dream destination, underpinned with a lot of book knowledge, and is now coming true. My first encounter with this continent captivates me so much that I don’t know where to look first. Jürgen, experienced in Asia, moves safely through the metropolises of Asia with local means of transportation.  I follow him in amazement, absorbing everything around me like a sponge. We land at 9 a.m., book a hotel for one night in the airport and off we go by cab to the hotel and then further by metro to the Singpore River. We followed one of the proven travel rules: get out of the plane and into life, use the short amount of time wisely – you can sleep and rest at night.

The change to the sultry heat slows our steps only a little until the first break at the Singapore River. There is the famous river view with the old trading houses. Here we discover by chance a poster with an advertisement for an exhibition of the HAN Dynasty. So we change our daily plan and have the unexpected luck of getting tickets . Fascinated, we stand in a large hall in front of the warriors and horses from Xian – the first exhibition of these finds outside China.

The cavalry army of Xian

Ten,Ten, Ten echoes over a square, lit only by countless open fireplaces.

After the first exploration of this sparkling clean city, we dive into the romantic scene of blazing fires, seductive smells, and plumes of smoke of the Satay Club in the warm evening air. Ten chicken, ten beef, ten mutton – a pleasure that no restaurant can offer – the atmosphere does it. We  eat uncounted skewers together with ice-cold Tiger Beer, enjoying the evening. We then slowly walk past the Merlion, the landmark of the city, to the hotel for the first rest after a long flight.

Satay Club Singapore

Finally rested, we fly at noon  on to Hong Kong. Three and a half hours later, we are in the adventurous landing approach to the old Kai Tak Airport, i.e. straight ahead to just before a mountain, 90 degrees to the right and just above the skyscrapers; almost touching the laundry hung on the roof terraces of the skyscrapers. We touch down on the runway by the sea. 

We had hardly arrived, but a look to the sky, blue sky and sun means, according to the travel rules, drop your suitcase and go up to the Peak to enjoy the fantastic postcard view over the bay and the city. Hours later, clouds come up again – it is a matter of capturing the right moment.

 Hong Kong, this vibrant, pulsating, never sleeping megacity c takes you immediately into the constantly flooding stream of people and cars. What a contrast to Singapore – a completely different world just a few hours away from each other by plane.  

 In the evening, when hunger sets in, Jürgen’s eyes light up as he takes us not to a restaurant but to Poor Man’s Night Club on Hong Kong Island. Loud hustle and bustle, open air and fireplaces all around. Cleanliness? Hygiene?  At first sight, not really. A first  look around and I say spontaneously: “ here I do not eat“ the diarrhea already setting in before my eyes. And then it was me who just wanted to go there again the next evening, tastier food you cannot eat and still stay healthy. The old rule, „cook it, boil it or forget it“ was found to be true here, by the huge woks over the flames. After several courses and now well satiated, we take the „Star Ferry“ for one Hong Kong dollar back to Kowloon and take another digestive stroll through another night market. Temple Street, with its fortune tellers, palm readers, small stages with Canton opera performances, majong playing older gentlemen (already prepared for the night in plain pajamas and slippers), countless stalls.

Poor Man’s Night Club Hong Kong Island

 We had a ferry to Macao, which we spontaneusly booked for the next day, and it went only when another rule for Asia was observed. Toilets could only be used during the day in the hotel when only on tour. We took the normal boat with the locals, the speedboat taking those in a hurry as well as tourists.  Soon I realized why. Shortly after leaving the territorial waters of Hong Kong, there was a huge metallic noise on our ferry – not from a collision but from hundreds of slot machines (forbidden in Hong Kong) rattling down the grids. Almost everyone on board rushed to the devices for a few hours of pure gambling. Macao, the Portuguese lease area is interesting to see, but above all has the Las Vegas flair of a were rather boring, but at sea, there was the Floating Casino, an adventure to be had. A whole other clientele squatted there, strictly supervised, at the gaming tables, deeply bent over,  with unknown old Chinese playing cards close in front of their faces, briefly at the edge, lifting, safe from glances from wherever. We had a feeling like in a Mafia film. At the doors, on the matted ancient carpets, stood the old spittoons, relics from former dynasties, used unerringly. We can’t stay too long, eyed suspiciously from all sides as „long-noses,“ a kind of discreet expulsion.

Floating Casino Macao

 We went on to Bangkok where, after visiting the main sights, we went to a small travel agency known to Jürgen, from the past. We hand in our passports (I didn’t think we’d ever see them again) and asked the head of the Exotissimo Travel Bureau to find something delightfully adventurous „off the beaten tracks“ for us in Indochina:  still absolute terra incognita for tourists in the early 90s. 

We took a bus through heavy traffic to the coast to Ko Samed, a small island in the Gulf of Thailand. We left our heavy suitcases in a large hut on the beach. Here I have, probably for the last time, a feeling of insecurity, e.g. never to see the luggage again. This different way of traveling had increasingly become part of my understanding of travel. We get into a small boat and go to an island without tourism for absolute beach recreation. At the jetty we are greeted with a chalk board by the proud owner of his first cell phone. Our cabins could be booked using his phone for the first time. This was a dreamlike time for us; sleeping on bamboo beds took some getting used to, though. The most beautiful experience came the next morning. The islanders on our side of the island, women in colorful dresses, went into the sea at sunrise; and we stood with them up to our necks in the warm water, blinking at the early sun. A last paradise, but unfortunately already endangered: On our last day, a first boat with day tourists from Bangkok docked…

The Pineapple Beach of Koh Samed

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Back in Bangkok, the head of the travel office saw us coming and waved our passports. Beaming, he announced to our total surprise that we are among the very first foreigners who can enter the country after the Vietnam War. Proudly, he hands us a three day visa and ticket for Ho Chi Minh City (Saigon). We can hardly believe it and we don’t have much time left until our departure. We drop off our luggage in the „left luggage area “ and fly off with only the bare necessities.

We are picked up by our guide, a line loyal deserving member of the CP of Vietnam, and were taken to a hotel. During the ride we received clear instructions about the itinerary and a map in which the districts are marked where we are not allowed to go. Years after the end of the Vietnam War, Vietnam is cautiously opening up and one feels far back in time.

After a (guaranteed not the last) epicurean tasting in Saigon, we let tricycle drivers drive us through Saigon.

Trycicle Taxi in Saigo

The streets were teeming with bicycles, mopeds, rickshaws, a few cars and people in constant motion. It was frightening to see how thin and emaciated many people were. But everything works without accidents in this hustle and  drove into the horrors of the Vietnam War. We went past burned out tanks on which children play and shot down helicopters.  We go into the war museum. The photos there and the disfigured fetuses in glass containers as a result of Agent Orange and napalm bombs make us freeze. What we see there is almost unbearable and continues to have an effect on us for a long time.

The next day we drive overland with our guide, past picturesque rice fields and thousands of ducks that are brought in trucks and plunged into the submerged rice fields for natural pest control. Our destination is the famous tunnels of Chu Chi, whose entrances are so well camouflaged that we cannot find them despite an intensive search. They are being prepared for tours and it is an oppressive feeling to crawl into such a tunnel. The corridors located on three floors held everything the Vietcong needed; there were also kitchens whose smoke was directed in such a way that it appeared kilometers away and was bombed by the Americans without causing any damage. Perverse, however, was a shooting range set up as a foreign exchange earner, looked after by partially amputated Vietcong.  One could shoot there using the old weapons of the Vietcong. We politely declined the offer.  On the way back, we pass the American embassy, where in a panic the last American soldiers and embassy staff escaped in helicopters from the roof just ahead of the invading North Vietnamese troops.

The invisible tunnel entrances

Afterwards, we returned to the streets – unfortunately we again experienced the confrontation with the victims of the American bombardments: arms and/or legs amputated, war invalids, who crouch with their remaining bone stumps on cardboard boxes, laboriously   begging for a small alms…

I have experienced, through other travel, the courageous determination to do extraordinary things when it becomes unexpectedly possible. To experience special places at a unique time, small windows of opportunity are often closed again in a hurry. This has been one of those special opportunities that opened up to us on this trip.

There were still a few hours remaining to us today in Ho Chi Minh City and we escaped our leader by the supplier entrance. We rented a Tricycle and the driver drove us into the forbidden districts, with cellar vaults where art treasures from temples were hidden; to a market, from whose labyrinth we would have never found by ourselves.   He did not wait outside but accompanied us, unnoticed by us. At two points. he told us to go on and so gave us the security to enjoy this runaway trip and then return with a guilty conscience to our guardian. The slight panic on our guardian’s face slowly disappeared from his face when he saw us arrive. To reconcile, we invited him in the evening to a „dinner cruise“ on the Saigon River; there was a tiny kitchen on the lower deck, where sweaty cooks prepared freshly caught seafood for us in the wok. While they cooked, we could look on the upper deck at the transport boats on the quay, unloaded not with cranes, but with pure manpower. These men are known as coolies, and balanced on swaying planks with rice bags weighing tens of kilograms on their shoulders.

Vietnam 1991, what an experience!  A trip that shaped me for the future.

(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserve

All pictures © by Burkhard Mielke and Jürgen Steinmeyer, all rights reserved, commercial and private use prohibited.

English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY

The great Migration

Safari in Tanzania, February 2016

Our encounter with the Serengeti („the infinity“ as driver Steven translates the name for us) starts with a bang: Shortly after entering the national park, we come across one of the most fascinating events you can encounter here: the „Great Migration“, the big wildebeest migration that starts every year in February/March. More than 1.7 million wildebeest, 250,000 zebra and as many different species of gazelles are on the move together.

Being on the road for them means all day running, running, running, and in the early evening swarming out into the whole plain to eat, eat, eat for the route of the coming day. During this time everything must happen that brings rest and new strength as they exit the sun scorched earth moving into into the still fresh grasslands and northern waterholes. They are always on guard against the predators waiting for them, which in turn fight for daily survival.

We want to enjoy this spectacle forever, but we have to go on, dawn is beginningto dawn and the lodge is waiting. There we exchange with other groups and enjoy this unexpected experience with cool Serengeti beer, not suspecting what the next days would bring.

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The great Migration

During the next few days, Steven drives us on red, bumpy sandy roads at a speed of 30 through the unique landscape. There are few places in the world where the savannah serves as a habitat for such an abundance of diverse animals: giraffes, herds of elephants, small and large wild animals, families of lions right next to us, leopards and countless colorful birds of all sizes. One cannot get over how amazing it all looks. And then our driver suddenly stops, and while we are looking in all directions in search of one of the Big Five, he shows us in the middle of the track a small pillbug, which rolls a huge ball backwards over the track; in which later a female scarab will lay her eggs.

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What a contrast to our expectations!

Where we see only trees, Steven shows us lions and leopards lying in trees drying their soles because of previous rains. He predicted that a bouquet of birds was about to „delouse“ in the hot sand and so it goes on…. This shows us what is the most important thing on a safari – a good driver and guide, who knows the fauna and flora of his country and lives in its entirety and thus has a special view into nature. From him we learn that besides the „Big Five“ there are also the „Little Five“, named after the five big brothers: Leopard Tortoise, Buffalo Weaver, Rhino Beetle, Elephant Shrew and Ant Lion.

Without the small creatures, the big ones would not exist, such is the way of nature. Steven also showed us a colony of vultures at a carcass. One after another, such different animals, large and small, use their tools to fill their roles in this process of becoming and passing away.

Two days and many thrilling experiences later, we are on our way to leave the Serengeti again, because the famous Ngorongoro Crater is our next destination. But there was still a surprise waiting for us. We meet unexpectedly a second time on the train of animals. Unbelievable! Steven had exchanged information with other guides and learned where the animals have moved.

We see them again! Still in some distance away, thousands of wildebeest run (with some zebras in between) as a dark mass of lumbering bodies, and we come closer and closer. Immediately before us the train crosses our track and we have time to enjoy this spectacle. The animals trot along in a seemingly endless line, only to take off abruptly for a while. Something triggers this reaction in a single wildebeest, and the herd instinct then sets them all in motion.

For a picnic lunch we stop in the shade of a large umbrella acacia and a dream comes to life. All around in every direction on the horizon hundreds of thousands, maybe millions of animals can be seen, striving northward.

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Tanzania Travel&Information Portal Migration Map

The beginning and end of the train are unrecognizable now; the row of the animals extends from horizon to horizon, like a primeval force and we stand in the middle of it. Steven stated „You are very very lucky to be able to see this“.

The engine starts and our driver carefully makes his way through the mass of migrating animals and starts the journey to the Ngorongoro Crater, passing the memorial stone to Michael Grzimek. But really, we know that nothing on this trip could be even remotely as impressive as the migration. That must have been the highlight, everything else was just bonus. And so our trip into the crater started with drizzle and ground fog, but it quickly cleared with the first rays of sunshine. And suddenly we are standing in front of one of the last 50 remaining black rhinos in Tanzania.

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As if this had not been enough safari luck, we still experience the most emotional event of this trip for me – at the exit of the crater. Again the car stops suddenly and then we realize why. We are standing just a few meters away from a wildebeest and Steven tells us that the birth of the calf was imminent, indeed would begin in less than 10 minutes. None of us would have noticed. While the other animals continue to walk, the wildebeest cow lies down, several male wildebeests stay next to her like a protective guard. Then we also see the growing contractions. She stands up again several times, changes position, lies down again and then the birth begins.

A moment of complete silence occurs, a brief moment without any click of a camera, complete fascination and emotion in the face of this miracle of new life, so normal and natural and yet touching the vulnerability in nature and security in the herd.

I was so moved by this birth experience that, contrary to my usual photographic behavior, I did not take a single picture during the entire birth process and only noticed this when everything was over. How nice that my friend Jörg, mainly responsible for the telephoto shots, has taken over these close-ups for me.

Born

The newborn falls out onto the ground, It struggles out of the shell of the amniotic sac is licked free and nudged, gets up, get on its own legs. The baby falls over, is nudged again, get up and fall over again with fragile legs The newborn gets up again and drinks, then the mother turns around and runs on. The young must run along to survive. The birth must happen quickly, the newborn wildebeest must immediately try to get to its feet, and then run along with the mother under the protection of the herd, because it is already circled by hyenas and other hungry hunters lurking for prey.

Nothing is easier prey than a newbor

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Stand up
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Drink fast
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Let’s go
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On the hunt

While we have experienced the birth, we learn from the second group, that evening, about the hunt for and the death of another newborn wildebeest. Birth and death, eating and being eaten, as a natural sequence of life, takes place here at any time.

This direct experience of the greatness and wonder of nature and the realization that everything is interconnected, relativizes the belief in human superiority: this leads back to the realization that we are only a part of this cosmos, only a part of becoming and passing away, while the world continues to turn unaffected by it. We realize that only Only that man has the ability to think and to decide between the possibilities to live in harmony with nature or to subordinate everything and thus destroy nature, our habitat and our future.

(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserved.

All pictures © by Burkhard Mielke and Jörg Neidig, all rights reserved, commercial and private use prohibited.

English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY

Verloren am Yang Tse Kiang

Oktober 1997Bootsfahrt auf der „Zhong Hua“ durch die drei Schluchten

http://www.china-guide.de/

So langsam werden wir unruhig. Schon eine Weile warten Klaus und ich am Fuße des Ming Tempelberges auf unsere Gruppe, und niemand kommt. Die Abfahrt unseres Schiffes ist auf ca. 9:00 Uhr festgelegt. Es ist 8:45, und wir stehen allein in dem Gewimmel von Ständen und Händlern, inmitten vieler Einheimischer, von denen niemand Englisch versteht. Irgend etwas ist schief gelaufen, und wir fangen an zu ahnen, was passiert ist.

Wir sind zu sechst unterwegs. Eine Delegation aus Krefeld und Moers, neben mir noch Bijun, Chinesisch-Lehrerin, und ihr Mann Klaus. Dazu als unsere Betreuung Meimei, die in Shanghai lebende Schwester Bijuns , ein Tour Guide sowie die Lehrerin Li der Nan-Yang Highschool in Shanghai, der zukünftigen Partnerschule der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers. Um diese Partnerschaft und eine weitere in Beijing zu vereinbaren, sind wir nach China geflogen. Zwischen den Verhandlungen in Shanghai und Beijing haben wir diese Flusskreuzfahrt auf dem Yang Tse Kiang gebucht. Es ist eine der letzten Möglichkeiten die Fahrt durch die „drei Schluchten“ vor der großen Flutung für das Staudammprojekt zu erleben. Wir gehen in Chongking am 18. Oktober an Bord unseres Schiffes „Zhong Hua“, was übersetzt China heißt. Kurz danach, am 8. November, wird der Yang Tse vorübergehend für die Schifffahrt gesperrt sein. Ab dann wird das Wasser in einen extra gebauten Kanal umgeleitet, um mit dem Staudammbau zu beginnen. Danach wird es dieses besondere Erlebnis, durch die engen, tiefliegenden Schluchten zu fahren, so nicht mehr geben. Der Flusspegel wird um bis zu 180 Meter steigen.

Es ist ein Schiff für Chinesen. Klaus und ich sind die einzigen Langnasen an Bord und werden mit der einzigartigen Zurückhaltung der Einheimischen relativ distanzlos besichtigt. Das Schiff ist bis 2:00 Uhr nachts gefahren und hat für den Rest der Nacht in der Geisterstadt Fengdu angelegt. Gegen 5:30 Uhr werden wir geweckt. Es ist noch stockdunkel, als wir von Bord lange, steile Treppen zum Ufer hoch gehen, wobei ich fast einen dort angepflockten Esel umrenne.

Die Geisterstadt Fengdu

Außer uns sind nur wenige Leute unterwegs. Wir sehen, warum Fengdu die „Geisterstadt“ genannt wird: eine Stadt mit vielen leerstehenden und halb abgerissenen Häusern der Bewohner, die schon weggezogen sind, weil ihre Stadt schon bald in den Fluten versinken wird An den steil abfallenden Wänden der Schlucht sind deutlich die weißen Markierungen zu sehen, bis wohin das Wasser steigen wird. Als wir durch das Eingangstor schreiten, wird es langsam hell, und wir fahren mit einer Gondelbahn in absoluter Stille über dichte Bambuswälder den Berg hinauf. Unter uns im Dorf ist die Bevölkerung bereits zum Frühsport angetreten: Schattenboxen, Übungen mit Schwertern und Stöcken, Qigong und modernere Formen wie eine Art Aerobic mit Musik. Die Rentner sitzen im Park mit ihren Vogelkäfigen.

Dann kommen wir an der Tempelanlage an und klettern über Treppen auf fünf verschiedenen Ebenen zum Gipfel hoch, wo Hölle und Himmel in riesigen Figuren dargestellt sind. Die Seelen aller Menschen gelangen dem Glauben nach an diesen Ort, um entweder in den Himmel oder in die Hölle zu gelangen. Hier hoch oben haben wir einen weiten Blick auf den Yang Tse. Der Morgennebel lässt alles schemenhaft erscheinen wie auf den alten chinesischen Tuschzeichnungen. Die richtige Kulisse für diesen Ort, der seit der Han Dynastie als“ Eingang des Hades“ und auch als Sitz „des Königs der Unterwelt“ gilt. Hier gilt es drei Prüfungen zu bestehen, die über Paradies oder Hölle und auch das nächstes Leben bestimmen. Rechtzeitig werden wir von unseren Begleitern gewarnt, wie bedeutend, es ist mit welchem Fuß voran man über die Schwelle durch das Tor zur Hölle geht. Tritt man als Mann zuerst mit dem rechten Fuß über die Schwelle, wird man als Frau wiedergeboren. Als Frau ist es umgekehrt. Belächelt werden hier unwissende Touristen, die mal einfach so in die Halle treten.

Unsere Begleiter halten sich lange in den einzelnen Tempeln mit verschiedenen Ritualen auf, und wir haben sie schließlich aus den Augen verloren. Ihre unerwartete Frömmigkeit hat uns überrascht, und wir beschließen mit der Gondel zurück in die Stadt zu fahren, um dort auf unsere Gruppe zu warten. Wir warten und warten und warten und niemand kommt. 15 Minuten bleiben uns noch bis zur Abfahrt des Schiffes, und bei uns kommt leichte Panik auf, ohne Pass und Gepäck in dieser kleinen Stadt irgendwo in China allein zurückzubleiben und auch die Schluchtenfahrt zu verpassen. Es gelingt uns mit Mühen, den Weg zum Fluss zu finden. Doch die Erleichterung währt nur kurz, denn dort erleben wir den nächsten Schock. Vor uns liegt nicht nur die eine Anlegestelle mit unserem Schiff. Es sind mehr als zehn Anlegestellen nebeneinander, und an jeder liegen in Reihen viele weitere Boote, was wir in der Dunkelheit nicht gesehen hatten.

Fest davon überzeugt unser Schiff am Namenszug jederzeit wieder erkennen zu können, gelang es uns jetzt nicht bei den vielen Schriftzeichen das Richtige zu finden. Und so gingen wir zur ersten Anlegestelle und dort ins erste Boot mit dem einzigen Anhaltspunkt, unserer Kabinennummer sieben, und wurden gleich enttäuscht. Nach mehreren Fehlversuchen gingen wir mit wachsender Sorge am Ufer entlang, als ich plötzlich einen Esel erblickte, und meine morgendliche Begegnung mit ihm kam mir in die Erinnerung zurück. Dies war der richtige Steg, und tatsächlich, als man uns beim dritten Schiff die Tür der Kabine Nummer sieben öffneten, sahen wir unser Gepäck und hatten es so gerade noch geschafft. Wer aber noch fehlte, war unsere Gruppe, die eine Weile später auftauchte. Sichtlich nervös nachdem sie uns lange Zeit vergeblich gesucht hatten. Uns treffen böse Blicke, und wir geloben feierlich, keine Einzelaktionen dieser Art zu wiederholen, werden aber auf der gesamten weiteren Fahrt immer eng an der Leine gehalten. Des Rätsels Lösung war einfach. Sie waren nicht mit der Gondel zurückgefahren, sondern auf einem Fußweg ins Tal abgestiegen. Kurz nach 9:30 Uhr legt unser Schiff mit leichter Verspätung ab und Fengdu verschwindet langsam am Horizont Die Anspannung lässt nach und wir freuen uns auf die Fahrt durch die weltberühmten Schluchten des Yang Tse.

Mittags schließt sich ein weiterer Landgang in Wangxiang an. Nur eine Stunde haben wir Zeit um den Shibao Pavillon zu besichtigen. Die Zeit ist kurz und deshalb muss der Abstieg etwas schneller geschehen, da das Schiff bald wieder ausläuft. Noch einmal wollen wir nicht in Schwierigkeiten geraten. Den Rest des Tages verbringen wir an Deck, bis wir von Meimei zum Abendessen gerufen werden.

Meimei und Lehrerin Li hatten inzwischen im Dorf alles für unser Abendessen eingekauft. Aus der Kombüse des Schiffes übernahmen sie nur den Reis, da sie den Hygienebedingungen an Bord nicht trauen. Allerdings ist vom Umweltschutz her hier alles eine Katastrophe. Das Einweggeschirr und alle Abfälle werden einfach über Bord geworfen.

Als wir nach dem Essen zu unseren Kabinen zurückkommen, werden wir dort schon erwartet. Es gibt hier ein Deck, auf das man normalerweise nicht oder nur gegen Bezahlung kommt. Bijun hatte unseren Führer darauf angesprochen und ihm für die zuständige Person unsere Visitenkarten gegeben. Visitenkarten sind in China unerlässlich. Und die Wirkung blieb nicht aus. Auf uns warten drei Personen , der Kapitän, sein Vize und der Parteisekretär, Pflichtbegleitung durch die KP Chinas, nicht zur Kontrolle, sondern „nur“ für die Sicherheit an Bord. Wir werden für morgen während der entscheidenden Phase dieser Fahrt auf dieses Deck eingeladen, damit uns niemand dabei stören kann ein Video für die GDCF (Gesellschaft der deutsch-chinesischen Freundschaft) zu drehen. Welch interessante Geschichte hatten sich unsere chinesischen Begleiter ausgedacht. Auf dem normalen Deck wird dort sicherlich großes Gedrängel während der Schluchtenfahrt sein. Es werden noch Fotos gemacht, und man überreicht uns das Gästebuch für eine Eintragung. Wir formulieren die Eintragung in Deutsch und Chinesisch und schreiben eine großes Lob für unseren Reiseführer hinein. Er kümmert sich rührend um uns und hatte auch unsere Visitenkarten sofort zum Kapitän gebracht. Der sich anschließende Fototermin mit dem Kapitän führt fast zu einem Auflauf auf dem Schiff. Der vorher schon gute Service wird weiter intensiviert. und entwickelt sich für uns zu einer privilegierten Bootsfahrt auf Einladung des Kapitäns.

Bild von: chinarundreisen.com

Wir sind gegen 7:00 Uhr durch die erste Schlucht gefahren. Zu sehen, wie sich dieser gewaltige Strom verengt und eingezwängt zwischen hohen Bergen seinen Weg sucht ist ein beeindruckendes Schauspiel im Morgengrauen. Der Jangtse ist hier bis zu 400 Meter tief und nur 150 Meter breit. Es ist die spektakulärste und die schönste der drei Schluchten. Hunderte von Metern ragen die gezackten Gipfel empor, die alle mit Namen belegt sind. Dann wird der Strom wieder breit und wir bekommen nach Wuxia (Wushan), dem Ort wo, die zweite Schlucht beginnt. Hier mündet der Daning Fluss in den Yang Tse, der sich seinen Weg durch die so genannten „drei kleinen Schluchten“ Xiao San Xia bahnt. Unser Tagestrip dorthin ist ein besonderes Erlebnis in kleinen Booten durch die sehr tiefen, engsten Schluchten zu fahren. „Wie mit dem Messer in den Berg geschnitten“ sagt man hier dazu. Zurück an Bord unseres Yang Tse Schiffes geht die Fahrt weiter hinein in die zweite Schlucht, die wir von der Kapitänsbrücke aus erleben. Wir haben noch ein paar Stunden Licht, um den Fluß entspannt zu genießen. Der Yang Tse wird hier so eng, dass man oft nicht weiß, wo und ob es überhaupt weitergeht, bis dann nach einer engen Biegung die Fahrrinne wieder zu sehen ist.

Die für den Steuermann schwierigen Manöver dürfen wir im Steuerraum mit Blick auf das Radar erleben. Die Sonne geht langsam unter als wir in die dritte Schlucht einfahren. Auf Einladung des Kapitän haben wir dies draußen wie auf Logenplätzen erlebt. Dazu erhalten wir als besondere Ehre eine Abendeinladung in den VIP Raum des Schiffes. Man überreicht uns Visitenkarten und Infobroschüren über das Schiff. Es werden viele Komplimente über die Bedeutung der deutsch-chinesischen Freundschaft ausgetauscht. Und dann, Hobby des Kapitäns, wird gesungen – hier sind alle Karaokefans und der Raum ist speziell hierfür eingerichtet. Schließlich müssen auch wir singen und ernten trotz unserer durch la la la untermalten Textschwäche begeisterten Applaus. Gegen 22:00 Uhr nähern wir uns dann der Schleuse von Gezuba. Als letzten speziellen Service holt uns der Parteisekretäre auf die große Brücke, kurz bevor wir in die 1981 erbaute Schleusenanlage einfahren. Bei gleißendem Scheinwerferlicht können wir den gesamten Schleusengang von hier aus beobachten, der früher überhaupt erst die Schifffahrt westwärts ermöglichte. Wir fahren aus der Schleuse heraus und sehen am nächsten Morgen, wie sehr sich Fluss und Landschaft veränderte haben. Unser letzter Tag auf dem Schiff hat begonnen. Der Fluss ist sehr breit geworden. Links und rechts sieht man nur flache Ufer und von Zeit zu Zeit eine Ansiedlung. Nach einer letzten Exkursion zu einem Tempel mit Kalligraphien von Mao kaufen wir für den Abschiedsabend viele Flaschen Yangtze Bier, die für den Transport kunstvoll mit Kordel zusammengebunden werden und verabschieden uns voller Dankbarkeit vom Leitungsteam des Schiffes, das uns diese Fahrt so einzigartig gestaltet hat. Nach Mitternacht verlassen wir dann in Wuhan unser Schiff, um am nächsten Morgen weiter nach Beijing zu fliegen.

Welch ein Glück, nicht in Fengdu verloren gegangen zu sein und diese Fahrt dadurch verpasst zu haben.

East-West-North -South

Germany and Vietnam –  A Journey with Thomas Billhardt

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Vietnam, Halong Bay, 2019. It is a warm, summery night. Reflected on the water are the lights of other boats that, like us, have anchored for the night in this romantic spot. Dimly, you can see the cone-shaped and forested limestone islands that are characteristic of the bay.

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After an eventful day in this fantastically beautiful environment, we sit on deck with a glass of wine and talk about this bay and how it may have been even more beautiful years ago, without many visitors. 

Then a sentence breaks the silence: Now we sit here and talk to each other normally“. After a short silence, we toast and know that in this sentence all that has brought us here flows together and is brought to the point. The inviting travel flyer, which had aroused our interest at the end of a conference in the Rosa Luxemburg House, the announcement of the trip, and commentary on the trip by Thomas Billhardt, former GDR photographer and contemporary witness of the Vietnam War. Even though we had never heard of this photographer, who is known and appreciated in many parts of the world, we expected a knowledgeable travel companion and versatile insights into contemporary life in what was then North Vietnam. And so it was. Our first meeting with Thomas Billhardt had to wait, however; he had already flown ahead  to receive us in Hanoi.

Billhardt had become famous for his reports from Cuba and his presence during the Vietnam War. The entire West, where we grew up, inevitably knew the image of photographer Nick Út (The terror of War), the burning, naked little girl screaming in pain as she fled from more American napalm bombs;the pictorial indictment of the war in Vietnam. But none of us knew the photo „Love in War“ by Thomas Billhardt; a pair of soldier lovers with shouldered guns, holding hands, walking towards a lake. On one side, the horror and on the other side, in the midst of daily horrors and death, love and hope for a future without war.

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The picture „Love in war“ – found in a store in Hanoi

So it was no coincidence at all that the travel group, apart from my travel companion and me, consisted exclusively of fellow travelers from East Germany, who of course knew a of Thomas Billhardt, as well as connections with North Vietnam. It had become clear to us, gradually, that this was a booking not usual for us. A booking with a travel agency from the former GDR: the exclusive reader journey of the „new Germany“, the journey with a departure from Berlin Schöneberg with Aeroflot over Moscow to Hanoi. It became clearer with every traveler we talked to, that they had all grown up in the former GDR and still lived there today. and that We were nevertheless travelers together who, in this moment of sitting together in Halong Bay as a matter of course, realized how  this commonality had been taken for granted for a long time, even long after the fall of the Wall. And This realization of normality happened on the  fifth evening of our common journey, and a great openness and interest for each other developed.

The central experience of this trip from North to South in Vietnam was our travel companion, Thomas Billhardt. Every day we heard stories from him about his adventurous and often life-threatening assignment as a photographer in Hanoi. Because of the preparation of an exhibition with the Goethe Institute in Hanoi, he had his photo books with him which documented this difficult time of the bombing of Hanoi. The pictures of little boys seeking shelter under the manhole covers were particularly moving. The poignant descriptions were also so impressive because they were told from his own direct experience, without any hint of ideology, as an account of human life during this time in North Vietnam, of which we knew little. Equally captivating was his own life story, which made him a wanderer between the worlds of East and West. He had been sent to Cuba as a photographer for the government of the GDR and, what everyone did not know at the time, he did not disappear during a stopover in Canada but returned to the GDR. From then on, he had the opportunity to come to the West at any time. He was now considered „reliable“ and his fame – furthered by his appointment as a children’s photographer for UNICEF – made him pretty much untouchable. This continued until shortly before the end of the GDR, where he was in danger of losing his photo archive.  He was able to bring it to safety in an adventurous way.

East-West contrasts from old times to new, and their continuation stories occurred again and again on this trip. Two Vietnamese guides, both with wartime and postwar experiences of Germany, experienced two differentworlds. The guide of the first week had studied mechanical engineering in the GDR while the war raged at home, not entirely without a guilty conscience, but with a loyalty to old economic contacts and knowledge transfer. The second guide was a former refugee, illegally in West Germany, and in constant fear of being tracked down by the police. He was without papers and feared being deported home, which indeed he was not spared. He would like to visit his German friends again, with whom he is still in contact today, but he would not want to live in Germany anymore. He sees his home in today’s opening and developing Vietnam.

And so We moved through the country from north to south with an incessantly photographing travel companion, who in the evening already began to delete the less successful pictures. We learned about his first exhibition in Hanoi with large outdoor picture panels, and Billhardt reported that many came there who had been photographed and had survived the war. We discovered Hanoi differently than on a usual tourist trip: rode bicycles through rice paddies to a small village to cook Vietnamese food under the guidance of the villagers; attended a performance at the famous Lotus Water Theater; learned about Cham culture; experienced the adventure of a night train ride south to the ancient imperial city of Hué; and went on to Danang and then, to what for me is probably the most beautiful city, Hoi An, the city of a thousand lanterns.

On one of the last evenings, the stories continued. East-West German biographies  and the North-South experiences concerning Vietnam were exchanged. And there are more than two Germanys that became visible.

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From this trip, a friendship developed between Thomas Billhardt and us, and he just sent me his newly published illustrated book „Hanoi 1967 -1975“, initiated and supported by the Goethe-Institut Vietnam and published by Nhã Nam/Vietnam 2020, crowning his life’s work.

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ISBN 978-604-77-8377-9

All pictures © by Burkhard Mielke, all rights reserved, commercial and private use prohibited.

English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY

St.Pierre et Miquelon-how it all began

2011

I had in hand two aluminum coins with the inscription „St. Pierre et Miquelon“, rummaging through a box of coins from all over the world in a small Amsterdam tourist store. Obviously French: 1 and 2 francs.

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This picture of the coins is from my own collection

 It was in the mid-fifties and I was maybe 12 years old – a time without Internet, Wikipedia, and Google. Among other small coins whose writing I could not read, I took these two aluminum coins home – for little money, because there were, as yet, no detailed coin catalogs with prices. My curiosity was aroused! For several years, I first collected stamps, then exchanged the stamps with my brother for his coins, and thus, gradually opened up the distant, alluring world to me. Nobody, neither my geography teacher nor the French teacher, could do anything with this country name. That is how it remained at first, until I came across an old stamp catalog by the Senf brothers, which listed all the corners of the world, no matter how small, where a stamp had ever appeared.

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Here, I finally found St. Pierre et Miquelon, a group of islands 25 km east of the Canadian coast and south of Newfoundland. It is a French overseas territory, so today it also belongs to the EU, and it is to this day, all that remains of the former French colony of New France. It is the westernmost point of Europe.

For today’s younger readers, this search process (today called research) is hardly comprehensible. Today, such a question can be answered in a matter of minutes via Google.

Subsequently, I continued to search for exotic coins, tried to decipher inscriptions and inform myself about other countries. One thing always remained in the background: I wanted to go to St. Pierre et Miquelon once in my life.

Early on, my longing to get to know other countries was further enforced by my travel-loving mother. With a Beetle and tent equipment on the roof rack, she set off with us children, and often one or another friend was also there, traveling to ever more distant places. Over the Dutch and Belgian North Sea coast and then to the warm south, through France to Italy to Rome. In winter, we went skiing with the German Alpine Club to Austria and the Dolomites. The German urge to go south to warmth, palm trees and blue sea became stronger and stronger after the long war years and the challenging years of reconstruction that followed.

For me, these were casual vacations on the beach and sporty ones in the mountains. But inevitably, in Italy, there were also the first encounters with culture; following the interests of my mother and older siblings, with visits to museums, cathedrals, and the encounter with ancient Rome. In addition, there were more and more personal encounters with people as well as family contacts. This was really something for me and my interest in them.

But it would be a long time before I reached the distant destinations in Asia, America, and Africa, which I had already learned about from my travel fantasies, starting with newly discovered coins.

And then it was almost time to finally get to St. Pierre et Miquelon.

Because of a long existing intense family friendship in Seattle, many trips started there, with different pre- or post-programs.

In 1996 meanwhile, with my own children, I drove from New York to Seattle via the TransCanada Highway and back to the Atlantic coast with the goal of arriving in St. Pierre et Miquelon at the end. Only a few days remained until the return flight, and then, what a disappointment! There was a storm over the Atlantic and there was no guarantee we would make it back in time to the ship. I had a wish that did not come true.

Much later, in 2011, I attended a convention in Toronto, and there was finally enough time to fly to Newfoundland. I booked a 3-day package for the boat trip and the stay on the last piece of France in North America. It takes 55 minutes from Fortune Newfoundland to St. Pierre et Miquelon. 

After a quiet crossing, I was astonished at the entry. At passport control we were to be waved through quickly, and they did not want to give me the much longed-for stamp of the archipelago in the passport. This easing of formalities did not please me at all, and it took a little explanation of my heart’s desire to succeed. Only then did we realize that as Europeans we were only returning to the EU. The border guards probably thought “Ils sont fous, les Allemands.” But I had my stamp in my passport and was happy.

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Finally the stamp in the passport

After 68 years, my wish to experience this group of islands finally came true.

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With one step further came the entry into the French world. A Francophile’s heart swells with the flair, the stores, the French restaurants, cafés, and the self-evident language. We enjoyed a menu of the additional selection of excellent wines at prices that are unthinkable in France.

Still, it is not easy to get enough French people to stay in this remote and climatically inhospitable area. French subsidies do, however, make this easier by not having to do without anything familiar from France, from French wine to …

The lonely location on the 45th parallel becomes particularly clear during a trip to the southern part of Miquelon, „Langlade“. Here, a cool wind blows over the tall, thin grasses that cover the hilly island country as far as the eye can see. Now and then one can see a long abandoned former country house, and a rare group of horses, which testifies to the fact that nevertheless, one or the other still seems to be inhabited. A stopped time.

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(c) Dr.Burkhard Mielke. All rights reserved.

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English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY

Die Kunst des anderen Reisens

Asien 1991 – über Singapur, Hong Kong, Macao und Bangkok nach Ho Chi Minh Cityein Schnellkurs in drei Wochen

Sie erkennen sich, wie auch immer, wodurch auch immer. Es sind unangepasste Globetrotter, Reisende, die in ein Flugzeug steigen und nach der Landung gucken, was so geht und was man machen kann. Sofort, kurz nach der Mitteilung aus dem Cockpit sich abschnallen zu dürfen, finden sie sich und fangen an Infos auszutauschen über Orte, wo noch keine Touristen sind, wie man da hin kommt, günstig übernachten, exotisch essen und dazu noch unberührte Strände und abgelegene Kulturgüter entdecken kann. Alles zusammen mit einem natürlichen und ungezwungen Kontakt zu den Menschen des Landes, woraus sich wieder neue Tipps für weitere Abenteuer ergeben.

Und jetzt sitze ich neben meinem Freund Jürgen, einem dieser Nomaden (im Zivilleben nicht als solcher sofort erkennbar) im Flugzeug nach Singapur, und habe das Glück diese Art des Reisens mitzuerleben, anfangs noch erwartungsvoll angespannt, dann es immer mehr genießend. Ankunfts- und Abflugort lagen somit fest- alles weitere ergibt sich aus einer Mischung von Wünschen und Gelegenheiten und führt am Ende zu einem nicht zu erwartenden Highlight .

Asien, für mich ein langgehegtes Traumziel, unterfüttert mit viel Bücherwissen, wird wahr. Mein erstes Zusammentreffen mit diesem Kontinent nimmt mich so in Bann, dass ich nicht weiß, wo ich zuerst hingucken soll. Jürgen, asienerfahren, bewegt sich mit einheimischen Verkehrsmitteln sicher durch die Metropolen Asiens. Und ich folge ihm staunend und alles um mich herum wie ein Schwamm aufsaugend. Wir landen um 9 Uhr morgens, buchen im Flughafen ein Hotel für eine Nacht, und los geht es mit Taxi zum Hotel und weiter mit der Metro zum Singapore River, einer der bewährten „anderen“ Reiseregeln folgend: raus aus dem Flugzeug und rein in das Leben, die kurze Zeit nutzen – schlafen und ausruhen kann man nachts.

Die Umstellung auf die schwüle Hitze verlangsamt unsere Schritte nur wenig bis zur ersten Pause am Singapore River mit Blick auf die berühmte Flußansicht mit den alten Handelshäusern. Hier entdecken wir zufällig ein Plakat mit Werbung für eine Ausstellung der HAN Dynasty, ändern unseren Tagesplan (eine weitere Regel, keine festen Vorabfestlegungen, alles ist offen) und wir haben ungeahntes Glück Tickets zu bekommen. Fasziniert stehen wir dann in einer großen Halle vor den Kriegern und Pferden aus Xian – die erste Ausstellung dieser Funde außerhalb Chinas.

Die Reiterarmee von Xian

Ten, Ten, Ten hallt es über einen nur von unzähligen offenen Feuerstellen beleuchteten Platz .

Nach der ersten Erkundung dieser blitzsauberen Stadt tauchen wir bei warmer Abendluft ein in die romantische Szene der lodernden Feuer, verführerischer Gerüche und Rauchschwaden des Satay Clubs. Ten chicken, ten beef, ten mutton – ein Genuss, den kein Restaurant bieten kann – die Atmosphäre macht’s – wir essen ungezählte dieser Spieße zusammen mit eiskaltem Tiger Beer, genießen den Abend und gehen dann langsam vorbei am Merlion, dem Wahrzeichen der Stadt ins Hotel zum ersten Ausruhen nach einem langen Flug.

Satay Club Singapore

Endlich ausgeschlafen, fliegen wir mittags weiter nach Hong Kong. 3/12 Stunden später sind wir im abenteuerlichen Landeanflug auf den alten Kai Tak Airport, d. h. geradeaus bis kurz vor einen Berg, 90 Grad nach rechts und knapp über die Hochhäuser hinweg, fast die auf den Dachterrassen der Hochhäuser aufgehängte Wäsche touchierend, touch down auf die kurze Piste am Meer. Kai Tak war seinerzeit einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt.

Kaum angekommen ein Blick zum Himmel, blauer Himmel und Sonne, das bedeutet nach den Reiseregeln, Koffer abwerfen und hoch zum Peak den phantastischen Postkartenblick über die Bucht und die Stadt zu genießen. Stunden später kommen wieder Wolken auf, es gilt den richtigen Augenblick zu erfassen.

Hong Kong, diese vibrierende, pulsierende, nie schlafende Megacity nimmt dich unmittelbar mit hinein in den ständig flutenden Strom der Menschen und Autos. Welch ein Kontrast zu Singapur – eine völlig andere Welt nur wenige Flugstunden voneinander entfernt. Und als sich abends der Hunger einstellt, leuchten Jürgens Augen, als er uns, einer weiteren Regel folgend, nicht in ein Restaurant, sondern zum Poor Man’s Night Club auf Hong Kong Island bringt. Lautes buntes Treiben openair und Feuerstellen rundherum. Sauberkeit? Hygiene? Auf den ersten Blick nicht wirklich zu erkennen. Ein erster Rundblick und ich sage spontan „hier esse ich nicht“, den Durchfall schon vor Augen. Und dann war ich es, der am nächsten Abend nur dort wieder hinwollte, leckerer kann man nicht essen und trotzdem gesund bleiben. Die alte Regel, „cook it, boil it or forget it“ war hier gesichert durch die riesigen Woks über den hellen Flammen. Nach mehreren Gängen gut gesättigt, fahren wir mit der „Star Ferry“ wieder zurück nach Kowloon und unternehmen noch einen Verdauungsbummel über einen anderen night market: Die berühmte Temple Street mit Wahrsagern, Handlesern, kleinen Bühnen mit Canton-Operaufführungen, Majong spielenden älteren Herren, schon in Schlafanzügen und Pantoffeln, unzähligen Verkaufsständen.

Poor Man’s Night Club Hong Kong Island

Spontan gebucht für den nächsten Tag hatten wir eine Fähre nach Macao, und es sollte erst losgehen, wenn eine weitere Regel für Asien eingehalten war: Toilettengang für den ganzen Tag im Hotel, und erst dann auf Tour. Wir fuhren mit dem normalen Boot zusammen mit den Einheimischen, das Schnellboot nehmen die Eiligen und Touristen. Und bald wurde mir klar warum. Kurz nach Verlassen der Hoheitsgewässer Hong Kongs gab es einen riesigen metallischen Krach auf unserer Fähre – nicht von einer Kollision, sondern von hunderten in Hong Kong verbotenen Spielautomaten ratterten die Gitter herunter, und fast alle an Bord stürzten sich an die Geräte, für einige Stunden Glücksspiel pur. Macao, das portugiesische Pachtgebiet, ist interessant zu sehen, hat aber vor allem den Las-Vegas-Flair einer Casionostadt. Das große Casino war eher langweilig, aber am Meer lag das Floating Casino, ein Abenteuer dort zu sein. Eine ganz andere Klientel hockte da, streng überwacht, an den Spieltischen, tief gebeugt über ihre uns unbekannten altchinesischen Spielkarten, diese nur dicht vor ihrem Gesicht kurz am Rand aufliftend, vor Blicken von wo auch immer sicher. Ein Feeling wie in einem Mafia Film. An den Türen auf den verfilzten Uralt-Teppichen die alten Spucknäpfe, Relikte aus früheren Dynastien, die zielsicher benutzt wurden. Nicht allzu lange können wir bleiben, von allen Seiten argwöhnisch als „Langnasen“ beäugt, eine Art diskreter Rausschmiss.

Floating Casino Macao

Und weiter geht’s nach Bangkok, wo wir nach Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten zu einem kleinen, Jürgen von früher bekannten Reisebüro gehen. Wir geben unsere Pässe ab – ich glaube, die sehen wir nie wieder – und bitten den Chef des Exotissimo -Travel- Bureaus etwas für uns „off the beaten tracks“ in Indochina zu finden, Anfang der 90er für Touristen noch absolutes terra incognita.

Durch den dichten Verkehr fahren wir dann mit dem Bus an die Küste um nach Kot Samed überzusetzen, einer kleinen Insel im Golf von Thailand. Am Strand eine größere Hütte, wo wir unsere Koffer abgeben. Hier habe ich wohl zum letzten Mal dieses Unsicherheitsgefühl, z.B. mein Gepäck nie wieder zu sehen. Diese andere Art zu reisen war zunehmend Teil meines Verständnisses von „Reisen“ geworden. Wir steigen in ein kleines Boot zu einer Insel ohne Tourismus zur absoluten Stranderholung. Am Landesteg werden wir mit einer Kreidetafel begrüßt von dem stolzen Besitzers seines ersten Cellphones, über das unsere Hütten erstmal gebucht werden konnten. Eine traumhafte Zeit, etwas gewöhnungsbedürftig nur das Schlafen auf Bambuspritschen. Das schönste Erlebnis kam am nächsten Morgen. Die Inselbewohner auf unserer Seite der Insel, die Frauen in ihren bunten Kleidern, gingen zum Sonnenaufgang ins Meer; und wir standen mit ihnen bis zum Hals im warmen Wasser, der frühen Sonne entgegen blinzelnd. Ein letztes Paradies, aber leider auch schon gefährdet: An unserem letzten Tag legte ein erstes Boot mit Tagestouristen aus Bangkok an…

Der Pineapple Beach von Koh Samed

Zurück in Bangkok sah uns der Chef des Reisebüros schon kommen und winkte mit unseren Pässen. Strahlend übers ganze Gesicht verkündete er uns die totale Überraschung, dass wir mit zu den allerersten Ausländern gehören, die nach dem Vietnamkrieg ins Land kommen können. Stolz überreicht er uns ein Dreitagesvisum und Ticket für Ho Chi Minh City (Saigon). Wir können es kaum glauben und haben auch nicht mehr viel Zeit bis zum Abflug. Wir geben unser Gepäck im „left luggage“ ab und fliegen nur mit dem Nötigsten ab.

Wir werden von unserem Führer, einem linientreuen verdienten Mitglied der KP Vietnams, abgeholt und in ein Hotel gebracht. Schon während der Fahrt erhalten wir klare Anweisungen über das Programm und eine Karte, auf der die Stadtteile markiert sind, in die wir nicht dürfen. Jahre nach Ende des Vietnamkrieges öffnet sich Vietnam vorsichtig, und man fühlt sich weit zurückversetzt in der Zeit.

Nach einer, garantiert nicht der letzten, lukullinarischen Kostprobe in Saigon lassen wir uns mit Tricyclen durch Saigon fahren.

Tricycle Taxi in Saigon

Auf den Strassen wimmelt es von Fahrrädern, Mofas, Rikschas, nur vereinzelten Autos und den Menschen, die in ständiger Bewegung sind. Erschreckend, wie dünn und ausgezehrt viele sind. Aber alles funktioniert ohne Unfälle in diesem Verkehrsgewühl ohne erkennbare Regeln. Und dann tauchen wir ein in die Schrecken des Vietnamkrieges. Vorbei an ausgebrannten Panzern, auf denen Kinder spielen, und abgeschossenen Helikoptern gehen wir ins Kriegsmuseum. Die Fotos der Opfer von Napalmbomben und die als Folge von Agent Orange entstellten Föten in Glascontainern lassen uns erstarren. Was wir dort sehen, ist kaum zu ertragen und wirkt noch lange nach.


Am nächsten Tag fahren wir mit unserem Führer über Land vorbei an malerischen Reisfeldern und tausenden von Enten, die in Lastwagen herangefahren werden und sich in die unter Wasser stehenden Reisfelder zur natürlichen Schädlingsbekämpfung stürzen. Unser Ziel sind die berühmten Tunnelanlagen von Chu Chi, deren Eingänge so gut getarnt sind, dass wir sie trotz intensiver Suche nicht finden können. Sie werden gerade für Besichtigungen hergerichtet, und es ist ein beklemmendes Gefühl in einen solchen Tunnel hineinzukriechen. Die Gänge in drei Etagen hielten in Kriegszeiten alles vor, was die Vietcong brauchten; auch Küchen, deren Rauch zur Ablenkung so geleitet wurde, dass er erst Kilometer entfernt auftauchte. Absurd allerdings war wohl ein als Devisenbringer eingerichteter Schießstand, betreut von teilamputierten „Vietcong“, um dort mit den alten Waffen der Vietcong zu schießen. Wir lehnen das Angebot höflich ab. Auf dem Rückweg fahren wir an der amerikanischen Botschaft vorbei, wo in Panik die letzten amerikanischen Soldaten und Botschaftsangehörigen in Hubschraubern vom Dach aus knapp vor den einrückenden nordvietnamesischen Truppen entkommen waren. Und auf den Straßen in Saigon immer die Konfrontation mit den Opfern der amerikanischen Bombardements: An Armen und/oder Beinen amputierte Kriegsversehrte, die sich mit ihren verbliebenen Knochenstümpfen, auf Pappkartons kauernd, mühsam einen Weg durch die Menge bahnen, um ein kleines Almosen betteln…

Die unsichtbaren Tunneleingänge



Mutige Entschiedenheit Außergewöhnliches zu tun, wenn es plötzlich möglich ist, erlebte ich als ein weiteres Merkmal des anderen Reisens. Besondere Orte zur richtigen Zeit zu erleben, kleine Zeitfenster, die oft ruckzuck wieder zu sind. Solch ein besonderes Erlebnis erschließt sich uns auf dieser Reise.

Nur wenige Stunden bleiben uns heute noch in Ho Chi Minh City, und wir entwischen durch den Lieferanteneingang unserem Führer, mieten eine Tricycle, und der Fahrer fährt uns in verbotene Bezirke, zu Kellergewölben, wo ehemals Kunstschätze aus Tempeln versteckt waren, und zu einem Markt, aus dessen Labyrinth wir alleine wohl nur sehr mühsam wieder herausgefunden hätten. Er hatte nicht draußen gewartet, sondern uns begleitet, zunächst unbemerkt, an zwei Stellen gesagt weiter zu gehen und uns so die Sicherheit gebend, diesen Ausreißer-Trip zu genießen, um dann mit etwas schlechtem Gewissen zu unserem „Aufpasser“ zurückzukehren. Die leichte Panik wich nur langsam aus dessen Gesicht, als er uns ankommen sah. Zur Versöhnung luden wir ihn am Abend zu einer „dinner cruise“ auf dem Saigon River ein. Eine winzige Küche im Unterdeck, in der schweissgebadete Köche frisch gefangene Meeresfrüchte für uns im Wok zubereiteten, während wir im Oberdeck einen Blick auf die am Kai liegenden Transportboote blicken konnten; entladen wurden sie nicht etwa mit Kränen, sondern von Kulis, die auf schwankenden Planken zentnerschwere Reissäcke auf ihren Schultern balancierten…
Vietnam 1991, welch ein Erlebnis zum Ende einer Asien-Reise, die mich für zukünftiges Reisen prägte.

(Fotos B.Mielke, J. Steinmeyer)

Border Crossings

Border crossing points 

May 2016 in New Mexico

Do you really want to go to Mexico?

We took a wrong turn and suddenly we are standing at the border crossing of the USA to Mexico. Astonished, we are denied entry, and are allowed to turn around. On the highway, we now drive farther west along the American Mexican border. To the right and left of us, there is an empty wide desert landscape; and a deep ditch, from which, from time to time, police cars of the Border Control drive up, looking for illegal immigrants.

The black asphalt band in front of us flickers in the burning sun that accompanies us all day long. With the comfortable rental car, pleasantly cooled down, drinks sit on the console and cruise control.  We continue our journey, relaxed, and can experience the landscape in front of us. This feeling of driving and traveling is not available in Europe. We started from Los Angeles for a round trip through the national parks of the southwest, with an imaginary route. We had some fixed destinations but without a precise plan – except for the pressure of our return date. We like to „tinker“ and let ourselves be surprised, as we are on the route from El Paso to the west, always along the border to Mexico.  We usually start looking for a motel in the late afternoon.  We cannot assume that the small-place names on the map will be a place to stay. We are thinking about driving up from this border road to the highway. But then the unexpected happens: at the entrance to Columbus we see, to our astonishment, a big hotel sign. Without hesitation, we drive up and it says „vacancy“. 

Hotel Las Milagros Columbus, New Mexico

After a nice talk with Philip, the owner of the hotel, we check in. Opposite a building is a big advertisement for a restaurant and everything seems to be fine. To find all this in a small, a little bit desolate place, surprised us.

United States- Mexico – Border cities

Then we came to Mexico with the important question of whether we really wanted to go there.

„This restaurant here has been closed for a long time. I’ll take you over to a good restaurant in Mexico in 10 minutes.  That’s a good thing. I have to go to that restaurant anyway, their son is a new student here,“ says Philip, the hotelier. 

Do we need a visa for Mexico? “,we ask.

“It doesn’t matter if we drive back and forth here, it doesn’t matter, I will drive,“ said Philip.

Joyful surprise and amazement quickly changed our impression of a small, desolate desert town in many ways. 

I am a republican and you‘re? was the beginning of the conversation in the car – an unexpected start. “We are social democrats”, we said. 

“Ok”, he said without comment. Then it became clear how narrow ideologies and prejudices can be; how important it is to have human encounters and to recognize the individual without classifying him or her in the same way.

On the short drive to the border and afterwards, we learned about his impressive life story and that of the people in this region, which borders nearby. Originally from California and an entrepreneur with a production plant in Mexico, he stayed in Columbus and is now the mayor of Columbus, hotelier, tour guide, tour organizer and school bus driver, all combined in one person.

We were simply waved through at the border and thus came to the province of Chihuahu.

Just behind the border we see signs atypical for a small border town: American Dental Clinic and Optometrist Clinic. This is where the Americans go to get cheap dental prosthesis and other medical services that are so expensive in the USA. On the American side, there is a maternity clinic, where Mexican children are born Americans;  we learn this during the short drive. As the school bus driver, our companion picks up the children from Palomas de Villa every morning, takes them to the high school in Columbus, and brings them back in the evening. For more than 50 years, people on both sides of the border have felt basically like a community. While he talks with the parents about their son as a new high school student, we enjoy a super Mexican meal and then drive back to the hotel, waved through at the border.

Puerto Palomas de Villa, Chihuahua, Mexiko: in the restaurant La Fiesta with the mayor of Columbus

We had an emotional and thought-changing experience of a shared world, which has a strong influence on us and strongly revitalizes many of our previous prejudices, or rather, transforms them into new judgments.

The next morning, we cordially say goodbye and drive further west to our next destination with the name Twenty-Four Palms, which is expected in this desert region. 

With cocktails at the pool under illuminated palm trees, reality suddenly returns. We enjoy the evening in the company of a nice couple and then the conversation turns to politics. We are shown a video on our smartphone as proof that Hillary Clinton is Muslim, and we realize that we have landed in the 2016 election campaign. But this could not overshadow our experience of Columbus.

Now, years later, in November 2020, with my project to write about outstanding moments on a journey, the images and conversations come back and the question of how Columbus fared. The research shows grief and hope at the same time.

The ideology did not spare Columbus and Palomas either. The two places have changed greatly and separated them.

But now new hope appears on the horizon, that this „once-human-border relationship“ (people.uweg.edu) will become a reality, is revived and the will is there to resume the old connections before it is too late.

We drove through this desert landscape in May and the otherwise only green cacti bloomed in all red and yellow colors. These flowers stand for the possible beauty in this world and in interpersonal relationships. For some years, it was only a hope, which perhaps leads back to the common ground with the next flowering.

The wish arises within us to see this place again.

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English translation editor : Dr. Marilyn C. Terranova, NY